Weltenbummler zeigt Fotos aus 65 Jahren in Grevenbroich

Museum Villa Erckens : Weltenbummler zeigt Fotos aus 65 Jahren

Clemens Schelhaas reist und fotografiert seit seiner Teenager-Zeit. Eine Essenz seiner umfangreichen Arbeiten ist derzeit in der Villa Erckens zu sehen – Schwarzweißfotografien aus mehr als sechs Jahrzehnten.

„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“, sagte Johann Wolfgang Goethe. Das Reisen ist heute zwar längst nicht mehr so beschwerlich wie zu Zeiten der Postkutsche tut, doch Clemens Schelhaas wäre nicht der Weltenbummler, der er ist, wenn er nicht auch jenseits abgetretener Pfade wandeln würde. Eindrücke seiner viele  Touren um die Welt zeigt er jetzt in der frisch eröffneten Ausstellung „65 Jahre Schwarzweißfotografie“ in der Villa Erckens. Insgesamt 57 Werke sind dort zu sehen. Sie zeigen unter anderem niederrheinische Ansichten wie den Torbogen des ehemaligen Schloss Noithausen, Schloss Dyck oder das Getriebe der Windmühle Zons. Zu sehen sind aber auch der Eiffelturm oder Christi Geburtsgrotte in Bethlehem, Brückenwächter am Indus in Pakistan und Flötenspieler in Nepal.

Ein guter Anlass für den 82Jahre alten Fotografen und Weltenbummler, sich zu erinnern. „In meiner Erinnerung taucht der Begriff Fotoapparat zum ersten Mal nach dem Einmarsch der Amerikaner im März 1945 auf. Da war ich sieben“, erzählt der Grevenbroicher. Etwa zehn Jahre später, als sein älterer Bruder begann, sich für die Fotografie zu interessieren, stieg Clemens Schelhaas mit ein.

Schon sehr früh hielt er so seine Eindrücke auf Reisen fest. Ab 1956 auch mit seiner ersten eigenen Kamera, einer Leica III f. „Ich habe sie heute noch. Sie kostete 558 Deutsche Mark, das entspricht dem heutigen Monatsverdienst eines Beamten in gehobener Laufbahn“, sagt er. Schelhaas schulte den Blick für das Motiv und lernte die Entwicklungstechnik. Nach Experimenten im verdunkelten Badezimmer baute er im Hof der elterlichen Wohnung einen Schuppen zur Dunkelkammer um. Belichten, entwickeln, fixieren, wässern – an der Technik habe sich bis heute nichts geändert. Und: „Es hat nach all den Jahren noch immer etwas Magisches, wenn sich in der Entwicklungsschale langsam das Bild aufbaut“, sagt Schelhaas.

Alltagsszenen finden sich immer wieder auf den Fotos von Clemens Schelhaas. Dieses Foto entstand 1960 auf Sardinien. Foto: Clemens Schelhaas

Stadtarchivar Thomas Wolff zitierte in seiner Einführung in die Ausstellung den Schweizer Schriftsteller und Maler Friedrich Dürrenmatt: „Das Wesen des Menschen in der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie.“ Tatsächlich konzentriert sich Clemens Schelhaas beim Fotografieren nicht nur auf aufsehenerregende Landschaften, sondern fängt in seine Fotomotiven immer wieder auch Menschen ein.

Diese müssen nicht unbedingt von vorne zu sehen sein, um eine Stimmung zu erzeugen, wie eine heitere, hoffnungsvolle Aufnahme von seinem Schwiegervater und seinem ältesten Sohn am Rheindamm in Zons zeigt: Hand in Hand gehen sie beschwingt voraus, die Kamera fängt sie von hinten ein und bewahrt diesen Moment für die Ewigkeit. „Die Ausstellung ist unterteilt in Heimat und Ferne“, sagt Clemens Schelhaas. „Die Auswahl der Bilder aus der Vielzahl der Motive erwies sich als sehr schwierig, so dass wir einen Kompromiss finden mussten. So wurden Bilder nicht ausschließlich unter fotografischen Gesichtspunkten ausgesucht, sondern auch aufgrund ihres dokumentarischen Wertes – unter Berücksichtigung der Chronologie.“

Ein gelungener Schnappschuss: Ein Zeitungsleser hat es sich gemütlich gemacht. Fotografiert 1981 im Hafen von Casablanca. Foto: Clemens Schelhaas

Mit Blick auf das Mount-Everest-Massiv, das Clemens Schelhaas im Jahr 2006 von einem gegenüberliegenden Berg in Höhe von 5000 Metern aus aufgenommen hat, schmiedet der reiselustige Grevenbroicher erneute Pläne: „Ich möchte dieses Jahr noch einmal so hoch steigen. Und ich bin gespannt, ob ich das schaffe.“