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Weckmänner von Hand gebacken von Café Breiden

Saisonaler Happen und rheinische Tradition in Grevenbroich : Weckmänner zum Vernaschen

Er hat voluminöse Traummaße und ist zum Anbeißen: Der Weckmann. Bäcker-Azubi Nicolas Schall lüftet das Geheimnis, was das Hefegebäck so unwiderstehlich macht und weiß, warum es nicht bloß an St. Martin ein Genuss ist.

Auch die dunkle Jahreszeit hat ihre schönen Seiten. Dass der Hohlkopf männlich ist, beweisen Schokoweihnachtsmänner. Bevor sie für süßen Genuss sorgen, stiehlt ihnen ein anderes, nicht minder fülliges Wesen kulinarisch die Schau: Der Weckmann.

 Jeder Weckmann aus der Backstube Café Breiden ist konzentrierte Handarbeit
Jeder Weckmann aus der Backstube Café Breiden ist konzentrierte Handarbeit Foto: Valeska von Dolega

„Wir beginnen mit der Produktion direkt nach dem Schützenfest“, erzählt Nicolas „Nico“ Schall. Der 17-Jährige ist zwar noch in der Bäckerausbildung, steht aber gerne und oft mit Vater Jürgen Schall in der Backstube des Familienbetriebs Café Breiden. Dort werden jetzt Nacht für Nacht die knusprigen Herren gefertigt, mal mit Guss, mal mit Mandel, mal mit beidem oder auch Rosinen, Zitronat oder Orangat, zählt der Junior auf, was für „Weckleute“ aus der Backstube kommen. „Das ist ja eine individuelle Arbeit, da kommt nichts von der Stange“, beschreibt er, wie auch „spezielle Wünsche bei einem Großauftrag“ immer mal wieder extra realisiert werden können. Aber egal, ob traditionell goldbraun gebacken oder im neonfarbenen Outfit („das würden wir dann über die Glasur mit Lebensmittelfarbe machen und nicht im Teig“) – das Geheimnis des Weckmanns liegt letztlich in seinen inneren Werten, also dem Teig.

 Zum Anbeißen wirken die Weckmänner schon im Rohzustand. Der Backvorgang perfektioniert sie.
Zum Anbeißen wirken die Weckmänner schon im Rohzustand. Der Backvorgang perfektioniert sie. Foto: Valeska von Dolega

„Der Weckmann ist ein Hefegebäck“, erklärt Nicos Mutter Manuela Schall, was ihn so sämig, wohlschmeckend, das Gebäck nicht gerade für die Nulldiät geeignet macht. Mehl, Zucker und die sprichwörtliche gute Butter sind die Basis für den köstlich-saftigen Genuss. Die Zutaten werden genau nach altem Café-Breiden-Rezept abgewogen, verrührt „und stehen gelassen“ – Hefe muss bekanntermaßen gehen. Die Ruhepause nutzen Vater und Sohn Schall nicht etwa zum Klönen, „In der Backstube müssen immer viele Produkte parallel entstehen.“ Der nächste Kunstgriff auf dem Weg zum populären Gebäck ist, Kopf, Arme und Beine zu formen. „Das läuft wie bei einer Pyramide“, erfordert Geschick und eine „gewisse Routine“. Schließlich soll am Ende das Werk aus einem Stück sein, sollen keine Elemente angepappt sein. Bis auf die Pfeife, natürlich. „Die ist aus Ton und wird extra platziert.“ Schließlich ist der Weckmann nicht irgendeine, x-beliebige Figur, sondern soll an einen gewissen Martin erinnern – jenen römischen Reitersoldaten und späteren Bischof von Tours, der wegen seiner vorbildhaften Mantelteilung mit einem armen Mann weltberühmt wurde.

Normalerweise hat ein Weckmann „handelsübliche Ausmaße, würde es gewünscht werden, könnte der auch XXL“ groß werden. Bis zu zehn Pfund schwere Exemplare hat Familie Schall bereits gebacken. Rund um St. Martin, wenn entsprechende Feste mit Laternen- und Fackelumzügen gefeiert werden, ist die Hauptsaison der leckeren Teilchen – als Bestandteile des Martinstages und im Rahmen der Tradition. Dann läuft die Produktion hochtourig, schließlich wollen Kindergarten- und Schulkinder dann mit der Süßigkeit bedacht werden. „Aber jetzt schmecken die auch gut“, macht Nico Schall Appetit. Produziert wird, bis „keine Kundennachfrage mehr besteht“. Oder Chefin Manuela Schall „Stopp!“ sagt. „Meist ist das rund ums Nikolausfest“, sagt sie und beißt voller Lust in ein Exemplar im dicken Mandelmantel.