Grevenbroich: "Wassersalat"-Teppiche treiben über die Erft

Grevenbroich: "Wassersalat"-Teppiche treiben über die Erft

Die Muschelblume vermehrt sich rasant im Fluss. Erftverband wartet auf Forschungs-Ergebnisse.

Die exotische Muschelblume vermehrt sich rasant in der Erft. Gestern trieb ein riesiger Teppich der salatähnlichen Pflanze an Wevelinghoven vorbei. "Sie belegt fast den ganzen Fluss, zieht eine Menge Unrat mit sich und behindert die dort lebenden Schwäne. Die Pflanzen sind so dicht, dass die Tiere Probleme haben, zu ihren Nestern zu kommen", schildert Anrainer Oliver Benke. Am Tag zuvor hatte sich der treibende Pflanzenteppich am Wehr vor "Kottmanns Mühle" gestaut.

Die Muschelblume - auch "Wassersalat" genannt - ist ursprünglich in den Tropen und Subtropen beheimatet. Vermutlich durch Aquarianer wurde sie in die Erft eingeschleppt, vor allen in den Stillwasserzonen breitet sie sich seit etwa sechs Jahren massiv aus. Durch die von RWE eingeleiteten warmen Kühlwässer findet die Pflanze an manchen Stellen des Flusses gute Bedingungen vor, um auch eiskalte Winter zu überstehen.

"Wir beobachten die Situation, konkrete Maßnahmen gegen diese Pflanze sind derzeit aber nicht geplant", sagte gestern ein Sprecher des Erftverbandes in Bergheim auf Anfrage unserer Zeitung. Der aufwendige Einsatz von Mäh-Booten sei zunächst nicht vorgesehen, da die Muschelblume weder die Qualität des Wassers beeinträchtige noch den Hochwasserschutz gefährde.

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Langfristig kann der "Wassersalat" aber zu Problemen führen: Da der Exot so dicht wächst, dringt nahezu kein Licht mehr ins Wasser vor, so dass heimische Pflanzenbestände abzusterben drohen, zudem wird der Sauerstoffgehalt in den Nebengewässern belastet.

Der Erftverband hat aus diesem Grund im vergangenen Jahr ein Forschungsprojekt in Grevenbroich gestartet: Im Wasser des Gustorfer Grabens sowie des Dohmer Lochs zwischen Wevelinghoven und Grevenbroich wurden mehrere "Netzgehege" aufgestellt. Dort wird die Keimfähigkeit des von den Pflanzen produzierten Samens untersucht. Das Ergebnis dieses Feldversuchs, das noch nicht vorliegt, ist wichtig für die Entscheidung, welche Maßnahmen gegen die Muschelblume ergriffen werden sollen.

Langfristig wird sich das Problem von alleine lösen. Sobald RWE keine Kühlwässer mehr einleitet, wird die Erft zu kalt für die Pflanze.

(wilp)
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