Wilde Müllkippen werden immer größer: Was macht ein Schlafzimmer an der Landstraße?

Wilde Müllkippen werden immer größer : Was macht ein Schlafzimmer an der Landstraße?

Julius Weiss (SPD) sprach kurzerhand von einer "Verlotterung" bei manchen Zeitgenossen. Für den Umweltausschuss-Vorsitzenden Peter Pfeiffer (CDU) ist eine besondere Form der Pädagogik gefragt: "So, wie man uns früher das Einmaleins eingehämmert hat", gelte es, "den Leuten den abhanden gekommenen Sinn für Sauberkeit wieder nahe zu bringen", wetterte er.

Den Anlass für die markigen Worte bot der Bericht des Umweltschutzbeauftragten Norbert Wolf zu den im Vorjahr im Stadtgebiet entdeckten "wilden Müllkippen". Die beileibe nicht nur in Grevenbroich schon fast klassische Frage, was denn nun eine Waschmaschine im Wald zu suchen habe, erfuhr in der Sitzung einige interessante Bereicherungen, die deutlich machen, dass derartige Formen der Umweltverschmutzung keineswegs auf bloße Schlamperei beruhen, sondern vielmehr ein gehöriges Maß an Energie voraussetzen.

Nicht ganz ohne Mühe dürfte jedenfalls die Deponierung mancher Altlasten in der freien Natur vonstatten gegangen sein. So ragt unter den spektakulärsten Fundstücken 2003 etwa ein komplett demontiertes Badezimmer heraus, aber auch ein Schlafzimmer wurde von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung an der Landstraße 116 in Gustorf entdeckt: Für dessen Beseitigung - berechnet wurden sechs Kubikmeter - fielen bei drei eingesetzten Arbeitern insgesamt 18 Arbeitsstunden an, wie Norbert Wolf an einem Beispiel illustrierte. Allein die Entsorgungs- und Deponiekosten für die von den Stadtbediensteten weggeräumten 156 Kubikmeter belaufen sich auf 20.000 Euro.

So scharf die Kritik an den inzwischen nahezu völlig schmerzfreien Übeltätern (so ein CDU-Vertreter) beziehungsweise "Ferkel" (Norbert Wolf) auch war, gab Manfred Hermanns (FDP) zu bedenken, dass die Ausgaben für das "wilde" Gesamtabfallaufkommen 2003 zwar gestiegen, gleichwohl jedoch niedriger seien, als in den meisten Jahren seit Einführung der Statistik 1997. Bei den gegebenen abfallwirtschaftlichen Möglichkeiten ("Einfacher kann man es nun wirklich nicht haben") seien die zutage getretenen Ergebnisse dennoch zu hoch.

Für den Liberalen ist allerdings fraglich, ob die Kommunen des Problems angesichts der derzeitigen gesetzlichen Regelungen Herr werden können. Deren Sanktionen jedenfalls sind aus seiner Sicht kaum dazu angetan, allzu abschreckend zu wirken. Gleichwohl gelte es, die Fundstellen sorgfältig zu untersuchen, seien doch die Urheber der wilden Müllkippen selten schlichtweg auch "dumm", wie der FDP-Vertreter sagte: Durch entsorgte Briefe ließen sich beispielsweise zuweilen wichtige Rückschlüsse ziehen.

Bevor die wilden Kippen geräumt werden, beraumt der städtische Fachdienst Umweltschutz jeweils einen Ortstermin an. Dabei wird eine Abschätzung des Gefährdungspotenzials vorgenommen, wobei die Besichtigung auch dazu dient, über die Einleitung von Ordnungswidrigkeits- und Strafverfahren zu entscheiden. S.M.

(NGZ)