Grevenbroich: Warum Väter in die Elternzeit gehen

Grevenbroich: Warum Väter in die Elternzeit gehen

Väter von heute wollen mehr sein als Ernährer ihrer Familie. Deshalb gehen sie zunehmend in Elternzeit, kümmern sich intensiv um ihre Kinder. So wie Thomas Leusch (42), Dustin Thissen (33) und Manfred Höhne (26) es getan haben.

Im Rhein-Kreis nehmen immer mehr Väter Elternzeit. Der Trend der Vorjahre setzt sich fort: 1334 Väter beantragten im vergangenen Jahr diese familienspezifische Zeit. Das waren 187 mehr als 2016. Einer von ihnen ist Thomas Leusch. "Ich wollte meine Frau unterstützen", sagt er. Wie bereits bei seinem "großen" Nachwuchs Louisa (4) und Moritz (2) ließ der 42-Jährige sich für drei Monate für Baby Philipp (fünf Monate) von seinem Arbeitgeber in der IT-Abteilung einer Düsseldorfer Klinik frei geben.

Foto: Staniek

"Sobald die Stillzeit vorbei ist, kann man als Mann voll einsteigen", sagt er übers Windel wechseln, Flasche geben und Betreuen. In der Krabbelgruppe war er der Quotenmann, "da haben sich andere Mütter schon mal erkundigt, warum ich dabei bin - und nicht meine Frau Carina", erinnert er sich. Auch innerhalb des Bekannten- und Freundeskreises habe es "nie doofe Kommentar" gegeben. "Ich kenne viele, die es ebenso machen", sagt Leusch.

Denn auch, wenn es mit dem Nachwuchs zuweilen stressig ist, ist das, "was vom Kind zurück kommt durch nichts zu ersetzen". Nicht anders bilanziert Dustin Thissen. Für den 33-Jährigen lautet das Fazit: "Elternzeit? Würde ich immer wieder nehmen. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte sie nutzten." Seine Tochter Matilda (19 Monate) würde "gleich oft nach der Mama wie nach dem Papa rufen, sie fordert ihre Zeiten ein", sagt er. Für jeden Mann, der als Ernährer hauptverantwortlich ist, würde es schwierig, so viel Zeit für den Nachwuchs zu haben. Denn: "Elternzeit muss man sich finanziell leisten können", sagt Thissen, der selbstständig ist und eine Event- und Marketingagentur leitet.

  • Halbe Elternzeit für Väter

Für "kein Geld der Welt" will er die "intensive Phase" mit seiner Tochter missen. Nicht nur, weil Babyschwimmen und andere Aktivitäten "ein großer Spaß" waren. "Meine Frau brauchte nach Schwangerschaft und Geburt auch mal Zeit für sich." Für Jung-Väter wie Dustin Thissen "vollkommen selbstverständlich, dann für sie da zu sein".

Inzwischen ist Matilda 19 Monate und dann, wenn Jana Thissen als Lehrerin unterrichtet, bei einer Tagesmutter. "Meine Frau hat einen tollen Job, ich liebe meinen Beruf, da ist es doch klar, dass wir nicht ungleich bei der Kindesbetreuung die Aufgaben verteilen." Nach dem gleichen Prinzip will es auch Caterer Manfred Höhne vorgehen. "Es ist cool, Papa zu sein", sagt er über seine erst seit knapp drei Wochen währende brandneue Lebensphase.

"Paula ist die süßeste Tochter der Welt", schwärmt er über die Kleine. Um "intensiv Zeit mit dem Kind verbringen" zu können, hat er sich die kommenden zwei Monate eine Auszeit vom Beruf genommen. "Meine Frau hat zunächst ausgerechnet, ob wir uns das leisten können. Das wird ein neuer Alltag, sich daran zu gewöhnen, kann nicht von heute auf morgen gehen", sagt der 26-Jährige. Und um Waschen, Wickeln & Co. zu lernen, und das ist sein erklärtes Ziel, "um für Paula da zu sein", sind die bevorstehenden acht Wochen "elementar". Durchwachte Nächte können ihn nicht schocken: "Paula ist ein großes Glück. Die Zeit mit ihr ist purer Genuss."

(von)