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Vogelsterben in Grevenbroich: Warum im Bend der Kuckuck nicht mehr ruft

Vogelsterben in Grevenbroich : Warum im Bend der Kuckuck nicht mehr ruft

Dass irgendwann der Ruf des Kuckucks zu hören war, das war bei einem Spaziergang durch den Bend im Mai stets eine Selbstverständlichkeit. Doch heute ist der Vogel nur noch mit einer gehörigen Portion Glück zu hören. Das europaweit beklagte Vogelsterben macht auch vor den Toren Grevenbroichs nicht Halt.

"Mittlerweile ist er auch in unserem Raum selten geworden", sagt Norbert Wolf. Und das treibt dem städtischen Umweltbeauftragten die Sorgenfalten auf die Stirn, nicht nur wegen des Kuckucks.

Das in Deutschland und mittlerweile in ganz Europa beklagte Vogelsterben macht auch vor den Toren Grevenbroichs nicht halt. "Zählungen sind zwar noch nicht vorgenommen worden", sagt Wolf: "Doch in den Revieren stellen wir immer häufiger fest, dass bestimmte Arten so gut wie gar nicht mehr vorkommen." Beispielsweise nennt der Leiter des Umweltzentrums "Schneckenhaus" den Wiesenpieper, den Steinschmätzer oder den Kiebitz, die im Stadtgebiet längst zu den ornithologischen Raritäten zählen.

"Das Singen der Feldlerche, ein früher häufig in der Region anzutreffender Vogel, ist nur noch ganz selten zu hören - wenn überhaupt", schildert Wolf. Und der Kuckuck? Den hat der Umweltbeauftragte in diesem Jahr noch gar nicht vernommen, obwohl er sich einen großen Teil des Tages in der Natur aufhält.

Es ist die landwirtschaftliche Bodennutzung, die für das Verschwinden heimischer Vögel verantwortlich ist, meint Wolf: "Davon sind mittlerweile auch die obersten Bundesbehörden überzeugt." Den Tieren fehle es einerseits an Lebensraum, weil immer mehr Wegraine und Brachflächen in Beschlag genommen würden. Andererseits würden Pflanzenschutzmittel und Giftstoffe eingesetzt, die Insekten schaden. "Damit wird den Vögeln die Nahrungsgrundlage entzogen", berichtet der Umweltbeauftragte.

Kleinräumig sei da aber nichts zu machen, meint Wolf: Nur mit einer grundlegenden Reform der Agrarpolitik könne die Vogelwelt gerettet werden. "Die Bewirtschaftungsmethode müsste so geändert werden, dass sie beiden Seiten gerecht wird - den Tieren und den Landwirten", betont der Naturschützer: "Da ist die EU aufgefordert, mit entsprechenden Mitteln Hilfe zu leisten." Er erinnert in diesem Zusammenhang an das Vogelsterben in den 1970er Jahren, das zum Verbot des Insektizids DDT führte.

Nach Angaben der Bundesregierung nahm die Zahl der Brutpaare in landwirtschaftlichen Gebieten europaweit von 1990 bis 2013 um 300 Millionen ab.

(NGZ)