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Vorfall bei Tokai Erftcarbon in Grevenbroich: Warnung vor Schadstoffen

Entwarnung nach Einsatz in Grevenbroich : Schwefel-Wolke durch plötzlichen Anlagen-Stopp bei Erftcarbon

An der Aluminiumstraße hat es am Montag einen größeren Feuerwehreinsatz gegeben. Durch einen unplanmäßigen Stopp in der Produktion bei Tokai Erftcarbon wurde eine gelbe Rauchfahne freigesetzt. Anwohner wurden gewarnt.

Nicht einmal eine Woche nach der verheerenden Explosion in Leverkusen, durch die mindestens fünf Menschen zu Tode gekommen sind, ist es am Montag in Grevenbroich zu einem Zwischenfall gekommen, nach dem die Bevölkerung gewarnt werden musste. In einem Produktionsbereich der Firma Tokai Erftcarbon, die an der Aluminiumstraße große Graphit-Elek­troden fertigt, fiel gegen 8.30 Uhr aus noch ungeklärter Ursache die Gasversorgung aus. Dadurch wurden Glühprozesse und die thermische Nachverbrennung unplanmäßig gestoppt. Das erklärte das Unternehmen am Nachmittag. Die Folge des Stopps: Eine gelbe Schwefel-Rauchfahne stieg im Bereich der sogenannten Imprägnierung durch einen Kamin in den Himmel.

Der Vorfall löste einen größeren Einsatz der Feuerwehr aus. Durch die technische Störung soll das schwefelige Gas zwar nur kurz ausgetreten sein; die gelbe Rauchwolke über dem Firmengelände aber war deutlich sichtbar. Die Störungsmeldung rief nicht nur die Werkfeuerwehr, sondern auch Einheiten aus Grevenbroich auf den Plan. Die Rettungskräfte konnten die Störung bestätigen – Werksangehörige sollen den Gasaustritt jedoch nach kurzer Zeit gestoppt haben.

 Einsatzfahrzeuge stehen vor einer der Produktionshallen.
Einsatzfahrzeuge stehen vor einer der Produktionshallen. Foto: Kandzorra, Christian
Schwefel in Grevenbroich freigesetzt: Entwarnung vor Schadstoffen
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„Da dennoch nicht klar war, ob und in welchem Umfang möglicherweise Gefahrstoffe freigesetzt wurden, veranlasste die Feuerwehr eine Bevölkerungswarnung über die Warn-App Nina für die südöstlichen Grevenbroicher Stadtteile in Richtung Rommerskirchen“, heißt es im Einsatzbericht. Die Meldung erfolgte gegen 9.45 Uhr und löste bei einigen Anwohnern Sorge aus. Seitens des Unternehmens drangen lange Zeit keinerlei Informationen nach außen.

Auf dem Werksgelände an der Aluminiumstraße waren derweil mehrere Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst zu sehen, und Einsatzkräfte, die offenbar auf Messergebnisse warteten. Auch Spezialisten rückten an – und Vertreter der Behörden. So nahmen Mitarbeiter der unteren Umweltschutzbehörde des Rhein-Kreises Neuss den Betrieb in Augenschein, zumal erst der Austritt von Schwefelsäure gemeldet worden sein soll, wie unsere Redaktion erfuhr. Diese Meldung soll sich jedoch als unwahr entpuppt haben – bestätigt werden konnte das deutlich geringer konzentrierte Gas. Auf Anfrage erklärte eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf, dass Tokai Erftcarbon durch die Behörde überwacht werde und dass bei der Produktion regelmäßig schwefelhaltige Abgase anfielen. Diese würden normalerweise durch die thermische Nachverbrennung behandelt.

Zur Kontrolle auf eine mögliche Schadstoffbelastung in der Luft beorderte der Einsatzleiter der Feuerwehr am Montagvormittag Fachpersonal mit einem Spezialfahrzeug der Feuerwehr Neuss für Messfahrten zur Einsatzstelle. Daraufhin sollen umfangreiche Messungen in der Südstadt, in Allrath, in Barrenstein, im Industriegebiet Ost sowie am angrenzenden Rommerskirchener Ortsteil Sinsteden durchgeführt worden sein. Die Mess­ergebnisse fielen negativ aus – gegen 12.20 Uhr gaben die Einsatzkräfte Entwarnung. 

„Personen kamen weder durch den Gasaustritt, noch durch die technische Störung zu Schaden“, heißt es bei der Feuerwehr. Eingesetzt waren neben der Werkfeuerwehr rund 35 Einsatzkräfte der Grevenbroicher Wehr – von der hauptamtlichen Wache sowie von den ehrenamtlichen Löscheinheiten Stadtmitte, Gustorf/Gindorf, Neurath/Frimmersdorf und Wevelinghoven.

Der Vorfall am Montagmorgen war nicht der erste bei Tokai Erftcarbon: Zuletzt hatte es kurz vor Weihnachten 2017 einen Großeinsatz auf dem Werksgelände gegeben. Damals hatte sich an einem der 30 Öfen, in denen die Graphit-Elektroden gebrannt werden, Hydraulik-Öl entzündet. 90 Kräfte der Feuerwehr waren damals im Einsatz. Den Schaden durch den Brand bezifferte ein Sprecher des Unternehmens Anfang 2018 auf eine halbe Million Euro. Der Unternehmensvertreter kündigte zudem an, dass die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Gelände erhöht werden sollen – unter anderem mit dem Ausbau der Rauch- und Temperaturerkennung.