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Grevenbroich: Von Shanghai an die Erft

Grevenbroich : Von Shanghai an die Erft

Susan Keng, geboren in Shanghai, hat sich für ein Leben in Grevenbroich entschieden. Sie ist fasziniert von der deutschen Kultur. Hier vermittelt sie bei der VHS die Kultur Asiens.

Wenn es um asiatische Küche oder Lebensart geht, ist Susan Keng (47) Expertin. Seit drei Jahren gibt die in Shanghai geborene Unternehmerin asiatische Kochkurse an der Volkshochschule Grevenbroich, nun kommt ein Seminar zum Lebensstil der Asiaten hinzu.

Die Chinesin lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Zuvor hatte sie in Shanghai die deutsche Sprache und Literatur studiert. "Ich bin traditionell chinesisch erzogen worden, war aber immer schon ein wenig rebellisch", gesteht sie. Fasziniert von der westlichen Kultur und Literatur, las Susan Keng Werke etwa von Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer und erkannte, dass die Gedanken der deutschen Philosophen zu ihrem Wesen passen: "Die eigene Persönlichkeit zu betonen, schien mir zu entsprechen. Ich konnte mit der chinesischen Zurückhaltung nicht viel anfangen." Während des Studiums wurde ihr dann klar: Sie muss nach Deutschland. Hier wollte sie das Lebensumfeld, das die Philosophen prägte, kennenlernen.

In Deutschland fand sie dann auch ihre große Liebe. Chi Keng heißt ihr Mann. Der 41-Jährige ist im Alter von sieben Jahren von Peking nach Deutschland gekommen: "Ein ganz schöner Umweg. Wären wir beide nicht hier, hätten wir uns wohl nie kennengelernt." Gemeinsam gründete das Paar die Consulting-Firma "Gentle System", die rund um das Thema China agiert. Die 13-jährige Tochter Lea Doudou wächst in zwei Kulturen auf: "Ich lege Wert darauf, ihr die traditionellen chinesischen Werte zu vermitteln. Die westliche Kultur lernt sie ganz automatisch durch ihr Leben hier kennen", sagt die Geschäftsfrau.

Zuhause kocht sie ausschließlich Chinesisch, einzig das Kuchen backen habe sie in Deutschland gelernt. In ihren Kursen will sie vermitteln, wie Chinesen in Wirklichkeit kochen. Das überrascht manche Teilnehmer. "Einige sind irritiert, weil die Gerichte, die chinesische Hausfrauen kochen, ganz anders sind als die in chinesischen Restaurants." Neben Speisen wie Kartoffeln mit Stangenbohnen oder Salat mit Glasnudeln und Hühnerfleisch gehören auch die Sitzordnung und die Stäbchen zum Essen: "Jedes Gericht und auch die Tischordnung folgen einem Prinzip", meint die 47-Jährige.

Susan Keng mag ihre Rolle als Mittlerin zwischen den Kulturen. Deshalb will sie jetzt auch in dem neuen Kurs den "asiatischen Lifestyle" erklären: "Chinesen haben eine ganz andere Mentalität", sagte sie. An zwei Abenden beschreibt sie zum Beispiel einen typischen Tagesablauf in China. Sie will versuchen, die chinesische Erziehung und Kultur zu erklären. Sie selbst sieht sich irgendwo in der Mitte. "Ich habe beide Kulturen kennen gelernt und kombiniere nun das miteinander, was mir gefällt. Das verbessert mein Leben."

(NGZ)