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Grevenbroich: Von der Molkerei zur Caritas-Station

Grevenbroich : Von der Molkerei zur Caritas-Station

Viele Grevenbroicher sprechen nach wie vor von der "Alten Molkerei", dabei wurde der Molkereibetrieb bereits vor 43 Jahren geschlossen. Heute ist in dem markanten Gebäude von 1899 an der Bergheimer Straße vor allem die Caritas mit ihrem Kaufhaus und vielen Betreuungsangeboten zu finden.

Einige geflieste Kellerräume und Rohre sind noch übrig geblieben von der einstigen Milchverarbeitung. Und der Name des Gebäudes an der Bergheimer Straße, das bei Grevenbroichern immer noch "Alte Molkerei" heißt — auch wenn dort längst Caritas-Verband, Sonnenstudio und Steakhaus ihr Domizil haben.

So sah die alte Molkerei an der Bergheimer Straße aus, als dort noch Milch an der Rampe angeliefert wurde. Foto: M. Ganschinietz

79 Jahre lang wurden in dem Gebäude Butter, Quark und anderes hergestellt. "1897 wurde die Gründung einer Molkerei-Genossenschaft beschlossen. "Diskutiert wurde damals, ob der Betrieb in Jüchen oder Grevenbroich stehen sollte", erklärt Manfred Ganschinietz. Der 61-Jährige hat sich mit der Geschichte der Molkerei beschäftigt und einen Aufsatz verfasst. Das Ergebnis der Standort-Diskussion: In beiden Orten entstanden Molkereien. 1899 konnte die neue Central Molkerei Grevenbroich ihren Neubau eröffnen, der damals als Zierde der Stadt bezeichnet wurde. Sogar eine Milchtrinkhalle gab es dort.

Auch für die Nato wurde gebuttert

Doch bereits 1902 wurde die erste Molkerei-Gesellschaft aufgelöst, ein Konkursverfahren eröffnet. Mehrere neue Molkereigesellschaften folgten. Zwischenzeitlich sollte eine Chemische Fabrik einziehen, der Plan wurde aber nicht Realität.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg lieferten die Genossenschaftsmitglieder ihre Milch an der Bergheimer Straße ab. "Wir haben Quark hergestellt, sogar für die NATO haben wir gebuttert", erinnert sich Karl Pawlikowski (78), der Grevenbroicher arbeitete in den 60er Jahren in der Molkerei, die von einer Düsseldorfer Gesellschaft übernommen wurde und dann 1969 schloss. Seitdem hat das Haus viele Nutzer gehabt: Ein Getränkehandel und ein Videoladen waren dort zu finden, der Komplex wurde zu einem Geschäftszentrum umgebaut. Auch ganz andere Pläne gab es: "Als ich das erste Mal die alte Molkerei besichtigt habe, war sie bereits zum Teil als Hotel umgebaut. Alle Zimmer verfügten über Bäder, die Tapeten fehlten noch", erzählt Hans-Werner Reisdorf (54), Vorstand des Caritas-Verbandes im Rhein-Kreis Neuss. Die Caritas war damals auf Raumsuche: "Zunächst waren wir in einem Zwei-Zimmer-Appartment am Ostwall, dann im alten Pfarrhaus von St. Peter und Paul untergebracht. Dort wurde es viel zu eng", so Reisdorf.

Die Bäder wurden wieder beseitigt, die Caritas zog als Mieter ein. Das Caritas-Kaufhaus und die Fahrradwerkstatt — in beiden werden etwa langzeitarbeitslose Menschen fit für den Arbeitsmarkt gemacht — sind auf dem Gelände zu finden. Auch die Kontaktstelle für Menschen in besonderen Schwierigkeiten, Schuldner- und Insolvenzberatung, Pflegestation, der Migrationsdienst sowie die Senioren- und Wohnungsberatung haben dort ihre Adresse. Trotz mehrerer Anbauten ist der ursprüngliche, markante Bau aber nach wie gut vor zu erkennen.

(NGZ)