"Voices from the Shadow" wird in Grevenbroich zum Gedenken an die Pogromnacht uraufgeführt,

Gedenkstunde in Grevenbroich : Berühmter Komponist genehmigt Uraufführung im Pascal-Gymnasium

Das Pascal-Gymnasium bereitet sich zurzeit auf „Menorah“ vor, die jährliche Gedenkstunde an die Pogromnacht im November 1938. Seit 23 Jahren veranstaltet, wird der Abend am 8. November ein ganz besonderer. Denn es steht eine Premiere an.

Zum ersten Mal wird in Deutschland die vollständige Version von „Voices from the Shadow“ (Stimmen aus dem Schatten) des Komponisten Gershon Kingsley aufgeführt. Unter diesem Titel sind 20 Gedichttexte vereint, die zwischen 1942 und 1945 von Opfern und Gefangenen in deutschen Todeslagern verfasst wurden.

Stefan Krüger, Musiklehrer am Pascal-Gymnasium, hat den 96 Jahre alten Komponisten in New York besucht und sich die Genehmigung für ein Neuarrangement geholt. „Es war ein tolles Erlebnis“, sagt der Musiker. „Und er ist im hohen Alter noch extrem cool“. Gershon Kingsley gilt als Pionier der elektronischen Musik. Seine Schallplattenaufnahmen und Live-Konzerte – unter anderem in der legendären Carnegie Hall – verhalfen in den 60er Jahren dem völlig neuartigen Moog-Synthesizer zum Durchbruch. Sein Instrumentalstück „Popcorn“ wurde zum Welthit. Kingsley wurde 1922 als Goetz Gustav Ksinski in Bochum geboren und wuchs in Berlin auf. Kurz vor der Pogromnacht trennte sich der damals 15-Jährige von seiner Familie und floh in das damalige Palästina und spätere Israel. 1946 emigrierte er in die USA, neun Jahre später startete er eine Broadway-Karriere, arbeitete mit Laurence Olivier und Leonard Bernstein zusammen.

Bei seinem Besuch sprach Stefan Krüger den berühmten Musiker auf „Voices from the Shadow“ an und berichtete von seinem Vorhaben, die Komposition im Rahmen des „Menorah“-Abends vollständig aufzuführen zu wollen – erstmals in Deutschland. „Er willigte sofort ein“, schildert Krüger, der das auch als „Kompliment und Vertrauensbeweis“ wertet. Unterstützt von der Sopranistin Cordula Berner und einem Orchester werden 60 Sänger der Chöre „Pascal Vocal“ und „VIP 2019“ das Werk in der nächsten Woche aufführen.

„Voices from the Shadow“ vereint moderne Musik, traditionelle jüdische Klänge und Jazz-Elemente – „mal melancholisch, mal kämpferisch, mal einfach nur schön, also die Gesamtbreite menschlicher Gefühle“, schildert Stefan Krüger. Die 20 vertonten Gedichttexte, die 1998 im New Yorker Lincoln-Center uraufgeführt wurden, werden in fünf verschiedenen Sprachen interpretiert, in Deutsch, Französisch, Englisch, Jiddisch und Tschechisch – „eine gewaltige Herausforderung für unsere Sänger“, sagt der Musiklehrer, der in New York studiert hat und — wie Kingsley – in Bochum geboren wurde.

„Menorah“ beginnt um 19.30 Uhr im Forum des Pascal-Gymnasiums. Der Eintritt ist frei.

(wilp)
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