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Grevenbroich: Viele Wahllokale sind nicht barrierefrei

Grevenbroich : Viele Wahllokale sind nicht barrierefrei

Die Behindertenbeauftragte Charlotte Häke wünscht sich besser zugängliche Wahllokale. Der Gang zur Urne müsse Rollstuhlfahrern, aber auch Blinden und Sehbehinderten erleichtert werden.

Menschen mit Handicap sollten die Briefwahl nutzen. Das rät die Grevenbroicher Behindertenbeauftragte Charlotte Häke rund einen Monat vor der Bundestagswahl — allerdings etwas sarkastisch. Der Grund: Viele Wahllokale seien im Stadtgebiet nicht barrierefrei. Vor allem Blinde und Sehbehinderte hätten Schwierigkeiten, zur Wahlurne zu gelangen.

Grevenbroich ist da kein Einzelfall: Im Rahmen eines Tests in ausgewählten deutschen Städten hat die "Aktion Mensch" jetzt etliche Hürden beim Wahlgang aufgedeckt. Häufig seien Rampen für Rollstuhlfahrer hinter den Wahllokalen versteckt, die Beschilderung sei nicht ausreichend oder irreführend und die Sprache zu kompliziert.

Charlotte Häke, die vom Land NRW als "Erfasserin für Barrierefreiheit" zertifiziert wurde, beurteilt die Situation in Grevenbroich ähnlich. Zwar werden laut Stadt-Homepage die meisten Wahllokale als "Barrierefrei" angegeben, doch dies treffe oft nur auf die Schwellenarmut zu, meint Häke: "Echte Barrierefreiheit ist etwas anderes, sie bezieht nicht nur Rollstuhlfahrer ein. Dazu gehören auch taktile oder visuelle Hilfen für Blinde und Sehbehinderte, die gänzlich fehlen", fasst sie zusammen. Das hat auch die "Aktion Mensch" nach ihrem fünf Tage dauernden Wahllokal-Test festgestellt. In den meisten Bundesländern seien Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zwar wahrgenommen worden, nicht aber solche mit Lern- oder Sinneseinschränkungen, bilanzierte Sprecher Sascha Decker.

Seit sieben Jahren nimmt Charlotte Häke bereits an Fortbildungen in Sachen Barrierefreiheit teil. Die Ehrenamtlerin hätte es sich gewünscht, ihr dabei erworbenes Wissen an ihre Heimatstadt weitergeben zu können. "Es wäre schön gewesen, frühzeitig von der Stadt in die Planung der Wahllokale einbezogen zu werden — damit wir gemeinsam etwas Optimales für Gesunde und Eingeschränkte erreichen können. Leider ist das nicht geschehen", meint sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Wie Charlotte Häke unterstreicht, werde sie vor der Kommunalwahl im nächsten Jahr rechtzeitig auf eine solche Einbindung bestehen. Grundsätzlich rät die Laacherin der Stadtverwaltung dazu, bei der Auswahl von Wahllokalen künftig mehr auch auf bestehende barrierefreie Gebäude zurückzugreifen. Dazu zähle sie etwa auch das neue Finanzamt an der Merkatorstraße, das alle Voraussetzungen der Barrierefreiheit erfülle.

Nach Angaben des Hilfswerks "Aktion Mensch" sind zur Bundestagswahl am 22. September rund sieben Millionen Schwerbehinderte wahlberechtigt, hinzu kommen 21 Millionen Menschen mit schlechter Lesefähigkeit.

(NGZ)