Viele Probleme mit Bus und Bahn in Grevenbroich

ÖPNV in Grevenbroich : Zahlreiche Probleme mit Bus und Bahn

Britten Sikula und Rainer Kuban sind Neubürger. Sie zogen von Herzogenrath nach Gustorf und berichten von Erfahrungen und Problemen mit Bus und Bahn in der neuen Heimat. Ihr Fazit lautet: „Stark verbesserungswürdig.“

Seit rund einem halben Jahr leben Rainer Kuban und Britten Sikula in Gustorf. Seine Ziele erreicht das Paar, das auf ein Auto verzichtet, mit Bus und Bahn – falls die Verbindungen funktionieren. „Stark verbesserungenswürdig. Da muss noch viel passieren“, zieht Rainer Kuban ein Fazit für den Öffentlichen Personennahverkehr in Grevenbroich.

Vier Mal in der Stunde eine Busverbindung in die Nachbarstadt, zwei Mal in der Stunde fährt ein Zug nach Aachen. „Wir waren beim ÖPNV an unserem früheren Wohnort Herzogenrath verwöhnt. Der Aachener Verkehrsverbund ist recht ordentlich“, sagt der 66-Jährige. Und in Grevenbroich? „Wir hatten öfter den Eindruck, dass der ÖPNV stiefmütterlich mit den einzelnen Ortsteilen umgeht“, erklären die Neubürger. „Bus und Bahn fahren in der Regel stündlich in beide Richtungen. Der letzte Bus nach Gustorf fährt am Bahnhof an Wochentagen um 21.34 Uhr. Die Alternative RB 39 fährt zuletzt um 20:25 Uhr.“ Halbstündiger Takt sei sehr wünschenswert. Ein weiteres Problem: „Am Abend und in der Nacht gibt es keine Alternative zur Benutzung eines Taxis.“ Besuche von Abendveranstaltungen in Neuss oder Düsseldorf würden in der Regel am Bahnhof in Grevenbroich enden. Kuban berichtet von langen Fahrten mit dem Linienbus nach Neukirchen – anderthalb Stunden sei er unterwegs gewesen. „Zum Glück hat mich jemand abends mit dem Auto mitgenommen. Ich denke, dass die Ortsteile besser angebunden werden müssen.“

Reibungslosen Verkehr erleben die beiden auch nach Köln-Besuchen nicht immer. „Die Umstiegszeit in Bedburg in die RB 39 beträgt vier Minuten. Fahrgäste müssen durch eine Unterführung das Gleis wechseln“, sagt Kuban. In letzter Zeit sei es zweimal vorgekommen, „dass die RB 39 vor unserer Nase abgefahren ist, obwohl der Fahrer sehen musste, dass noch Fahrgäste zusteigen wollten. Da es keine Alternative gibt, wurde wieder eine Taxifahrt für circa 30 Euro fällig“, schildert Kuban, der die Taxi-Kosten nun zurückerstattet haben möchte. „Die Takte müssen besser abgestimmt werden. Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer haben keine Chance, den Anschlusszug zu erreichen.“ Bilanz der beiden zum ÖPNV: Gerade jetzt, wo „sehr viel über Attraktivität und Stärkung des ÖPNV im Zuge einer ,Verkehrswende’ diskutiert wird, wäre es an der Zeit, anstelle von Schaufensterstatements sich der praktischen Probleme der Anbindung anzunehmen“.

„Wir sind bemüht, den ÖPNV in Abstimmung mit dem Kreis zu verbessern“, erklärt Stadtsprecher Stephan Renner. Die Stadt erstelle zudem ein Mobilitätsgutachten, in dem Verkehrsströme analysiert und Optimierungsmöglichkeiten gesucht würden. Ein Ärgernis ist seit langem bekannt: der Gustorfer Bahnhof, an dem kein barrierefreier Einstieg möglich ist. Laut DB ist die Station auch in der dritten Modernisierungs-Offensive nicht dabei. Der Gustorfer UWG-Ratsherr Hubert Rütten drängt: „Bahn und Stadt müssen sich dafür einsetzen, dass der Bahnhof endlich saniert wird.“