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Grevenbroich: Verhasselt über Theke und Twitter

Grevenbroich : Verhasselt über Theke und Twitter

Kabarettist Stefan Verhasselt (47), dessen Programm "Niederrhein 3.0" in der Villa Erckens Premiere haben wird, verrät, warum der niederrheinische Mann so gerne twittert, was ihm am neuen Museum gefällt und weshalb Grevenbroich zum Niederrhein gehört.

Herr Verhasselt, heute schon getwittert?

Stefan Verhasselt Heute habe ich zum Glück etwas mehr Platz, mit der konventionellen Form der Neuigkeiten-Vermittlung bei Ihnen, in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung.

In Ihrem neuen Programm stellen Sie fest, dass Twittern für den niederrheinischen Mann erfunden worden sein muss. Dieser lebe in zwischenmenschlichen Beziehungen nach der Devise "Weniger sagen ist mehr". Woran liegt diese verbale Sparsamkeit?

Verhasselt Sie liegt an der Cleverness des niederrheinischen Mannes, der IHR damit das Gefühl gibt, zu Hause das Sagen zu haben! ER hat damit auch seine Ruhe. . . Mit seinen Bekannten "anne Theke" sieht das natürlich wieder anders aus. Da kommt der niederrheinische Mann gerne ins "Prakesieren". Denn da hat ER das Sagen.

Frauen, die gerne "Lass uns drüber reden" sagen, sind beim Niederrheiner also an der falschen Adresse?

Verhasselt Niederrheinische Frauen halten sich mit solchen Kommunikationen erst gar nicht auf. Sie entscheiden selbst Fragen wie "Kaufen wir den neuen Trecker oder krieg ich die neue Küche?".

"Niederrhein 3.0" ist ihr drittes Soloprogramm. Es hat Premiere im Museum der Niederrheinischen Seele. Was erwartet die Zuschauer?

Verhasselt Nicht nur das Internet hat sich weiterentwickelt mit "Web 2.0", sondern auch die Menschen im Mikrokosmos Niederrhein. Mein drittes Programm ist ein "Upgrade" in Sachen Niederrhein. Aus dem Blickwinkel des Niederrheiners beschreibe ich die Weiterentwicklung der "großen weiten Welt" und der Menschen zwischen Nieukerk und New York, Ferdi und "Facebook", Theke und "Tablet", Twisteden und "Twitter". Es kann also sein, dass meine Zuschauer nach dem Programm feststellen: "Genau wie bei uns Zuhaus!". Oder dass sie sich insgeheim freuen: "Ma gut, dat wir da nich leben".

Wieviel Niederrhein steckt denn eigentlich in Grevenbroich? Sagt man in Straelen, Geldern oder Kleve tatsächlich: "Grevenbroich? Na klar: Niederrhein!"?

Verhasselt Genau wie bei dem Dehnungs-E von Straelen, wo ich herkomme, hat ja auch Grevenbroich ein Dehnungs-i. Und genau so ist es auch mit dem Niederrhein, der ausgedehnt werden kann bis Grevenbroich.

Und Sie persönlich: Haben Sie sich im Grevenbroicher Museum schon mal auf die Suche nach der niederrheinischen Seele begeben? Wie gefällt Ihnen die Gestaltung der Räume in der Villa Erckens?

Verhasselt Bei der Eröffnung des Museums der Niederrheinischen Seele Anfang März hatte ich ja die schöne Aufgabe, die Talkrunde mit den Museums-Machern zu moderieren. Dabei habe ich mir das wunderschöne und liebevoll eingerichtete Museum in der Villa Erckens angesehen. Die niederrheinische Seele schwebt durch jeden Raum. Ich habe sie besonders gespürt bei den Themen Feste feiern, tüchtig essen und niederrheinisch erzählen. Klasse ist auch der originelle Niederrhein-Mitmach-Dialog, bei dem man seine niederrheinischen Sprachkenntnisse testen kann.

In ihrem neuen Programm geht es auch um das sogenannte "Zwischenalter". Man ist noch nicht alt, aber auch nicht mehr richtig jung. Der Niederrheiner sortiert da sein Leben und fragt: "Hemd inne Hose oder doch lieber noch über de Hose?". Sie sind 47, also Hand aufs Herz: Hemd inne Hose oder lieber noch drüber?

Verhasselt (lacht) Hemd inne Hose, aber Poloshirt drübber. Und zu Hause gerne noch mal dat labbrige T-Shirt mit der Rolling-Stones-Zunge.

Andreas Buchbauer stellte die Fragen.

(NGZ/rl)