1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Verein für Sehbehinderte: Blinden-Ampeln in Grevenbroich gefordert

Hilfen für Sehbehinderte in Grevenbroich : Blinden-Ampeln in der Stadt gefordert

An Ampeln in der City fehlt ein akustisches Signal für Blinde. Der Sehbehindertenverein sieht Handlungsbedarf.

Kleine gelbe Kästen an den Ampelmasten sollen blinden Menschen das Überqeren der Straße erleichtern. Doch als Blinden-Ampel taugt die Apparatur nicht. Das stellten Vertreter des Sehbehinderten- und Blindenvereins für den Rhein-Kreis Neuss fest, die mit der NGZ mehrere Ampeln in der Innenstadt testeten. An allen Stellen fällt das Ergebnis gleich aus: Ein notwendiges Signal als Orientierung für Blinde fehle, kritisiert der Verein. Vorsitzender Frank Hürten aus Grevenbroich, selbst sehbehindert,  sieht „dringenden Handlungsbedarf“. Bereits zuvor hatte die CDU beantragt, die Ampeln mit akustischen Signalen nachzurüsten.

Frank Hürten (l.) und Ernst Balsmeier, beide sehbehindert, an der Ampel am Ostwall. Ihre Kritik: Ein akustisches Signal fehlt. Foto: Rick, Markus (rick)/Markus Rick (rick)

Nach Auskunft der Stadt haben die gelben Apparaturen an den Ampelmasten zwei Aufgaben. Zum einen könnten Fußgänger eine Grünphase anfordern, indem sie ihre Hand auf eine dafür vorgesehene Fläche legen. Zum anderen sei, so erklärt Stadtsprecher Stephan Renner, unten am Gerät eine Taste für Sehbehinderte angebracht. „Wenn sie nach dem Drücken den Finger auf der Taste lassen, spüren sie an einem leichten Vibrieren, wenn die Ampel für Fußgänger ,Grün’ zeigt“, erklärt Renner. Ein Pfeil auf der Taste zeige zudem die richtige Richtung an, in der die Straße überquert werden kann.

Die Hand wandert am Ampelmast nach oben, dann ein Stück nach unten, Ernst Balsmeier hat den Druckknopf für Sehbehinderte an der Ampel an der Kreuzung Ostwall/Bahnstraße gefunden. Dennoch betont er: „Das ist keine Blinden-Ampel. Eine akustische Signalanlage fehlt.“ Der 79 Jahre alte Neusser arbeitet in der Fachgruppe für Umwelt, Verkehr und Mobilität des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Bezirk Nordrhein. Der frühere Vorsitzende des Sehbehindertenvereins im Kreis ist seit 16 Jahren blind.

Ein Vibrieren der Taste zeigt an, wenn die Ampel Grün zeigt. Foto: Carsten Sommerfeld

Das Problem: „Wie soll ich ohne ein Auffindesignal die Ampel finden?“ Dafür sei ein akustisches Signal, das unaufhörlich „klickert“, nötig, erläutert Ernst Balsmeier. Eine Norm sehe vor, dass dieses Signal in 20 Meter Entfernung zu hören sein müsse, und dass sich das Geräusch mit dem Wechsel der Grün- und Rotphasen verändert, um dem Sehbehinderten anzuzeigen, wann er die Straße queren kann.

Doch eben dieses Signal fehlt – und damit eine wichtige Orientierungshilfe. An zwei der Ampeln an der Kreuzung Ostwall/Bahnstraße sind zudem gar keine Drucktasten installiert. So mancher Grevenbroicher erinnert sich übrigens daran, dass es bis vor einigen Jahren an mehreren Ampeln in der Innenstadt „geklickert“ hat. Auch Rathaussprecher Stephan Renner erklärt, dass es „früher an verschiedenen Stellen eine akustische Hilfe“ gegeben habe. Warum die nicht mehr existiert, konnte die Stadtverwaltung am Dienstag nicht mitteilen. „Wir recherchieren zurzeit den Sachverhalt und bereiten eine Vorlage zu Hilfen für Blinde an Ampeln für den Bauausschuss vor“, sagt Renner. Ein Problem nicht nur bei diesem Thema: Die Verkehrsplaner-Stelle ist seit mehr als einem Jahr vakant.

Auch gegenüber dem Montanushof ist kein Signal zu hören. Foto: Carsten Sommerfeld

Für eine Verbesserung macht sich auch die CDU stark. Sie fordert in einem Antrag, die Fußgängerampeln im Stadtgebiet „hinsichtlich ihrer Ausstattung mit akustischen Signalen zu überprüfen und entsprechend nachzurüsten“. Begonnen werden solle unter anderem an stark frequentierten Ampeln in der Innenstadt. CDU-Fraktionschef Wolfgang Kaiser sieht durch die steigende Zahl leiser Elektroautos eine zusätzliche Gefahr für Sehbehinderte. Auch Ernst Balsmeier sieht das als ein Problem. Blinde könnten E-Autos wegen der geringen Geräusch-Emission nicht wahrnehmen. „Der Verband ist mit Politik und Autoherstellern im Gespräch, um eine Lösung zu finden.“

Als gut bezeichnet Balsmeier die Ausstattung für Sehbehinderte im Grevenbroicher Bahnhof – als „hilfreich“ die taktilen Elemente (Platten mit Rillen und Noppen), auf den Bürgersteigen, die der Orientierung dienen. Wünschenswert sei aber ein Leitsystem durch die gesamte Innenstadt, in Düsseldorf sei das „beinahe perfekt“ umgesetzt. Ein Appell des Vereinsvertreters: „Planer in den Kommunen sollten vor der Umsetzung die Betroffenen einbeziehen.“

Der Sehbehinderten- und Blindenverein für den Kreis hat knapp 140 Mitglieder. Über die Zahl der Sehbehinderten gibt es laut Balsmeier keine Statistiken. Zudem würden viele zu verbergen versuchen, dass sie blind sind, sie wollten sich nicht outen. „Sonst könnten wir mit unseren Hilfen im Verein viel mehr Menschen erreichen.“