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Grevenbroich: Ventil-Test: "Martha" schreckt die Stadt auf

Grevenbroich : Ventil-Test: "Martha" schreckt die Stadt auf

Wer gestern gegen 8 Uhr noch schlummerte, war danach hellwach. Aus dem Frimmersdorfer Kraftwerk drang mehrfach ein ohrenbetäubender Lärm, der noch in den umliegenden Dörfern zu hören war. Wer glaubte, dass das Werk gleich in die Luft fliegen würde, lag allerdings falsch. "Es war lediglich ein Test", erklärte André Bauguitte, Sprecher von RWE Power, auf Anfrage. Auch wenn es spektakulär laut zuging, habe keine Gefahr bestanden.

Der Grund für den Krach am Morgen: Die Sicherheitsventile der Dampferzeuger müssen einmal im Jahr gecheckt werden, das ist Vorschrift. Gestern war der Kessel des 150-Megawatt-Blocks "Martha" an der Reihe, er wurde einem simulierten Störfall unterzogen. "Seine beiden Ventile halten einen Druck von 48 Bar aus. Wird der Druck jedoch höher, müssen sich die Ventile öffnen, damit der Dampf in die Atmosphäre abgeblasen werden kann", erklärt Josef Hintzen, Chef der Leittechnik im Kraftwerk. Passiert das nicht, droht der Kessel zu bersten. "Dann könnten Menschen zu Schaden kommen", so Hintzen.

Damit das nicht geschieht, wird der Sicherheits-Check vorgenommen. Am frühen Morgen wurde "Martha" zunächst weiträumig abgesperrt und vom Netz genommen. Dann folgte die Probe aufs Exempel: Etwa 300 Tonnen Dampf lasteten auf dem Kessel, als die Sicherheitsventile planmäßig ansprachen und der überschüssige Druck mit einem gewaltigen Zischen entfleuchte. Der Test wurde mehrfach wiederholt. "Alles in Ordnung", signalisierte RWE-Betriebsingenieur Kurt Krapohl im Anschluss.

Es war "Marthas" letztes lautes Seufzen, das gestern zu hören war. Denn der Block gehört zu den 150-Megawatt-Anlagen, die zum Ende des Jahres im gesamten Revier vom Netz gehen werden. In Frimmersdorf sind bereits zehn alte Kessel abgeschaltet worden "Martha" und "Ludwig" sind die letzten "Dinosaurier" des Kraftwerks, die noch Strom produzieren.

(NGZ)