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Grevenbroich: UWG befürchtet Ärzte-Mangel in Südstadt

Grevenbroich : UWG befürchtet Ärzte-Mangel in Südstadt

Die Südstadt wird bald ohne allgemeinmedizinische Versorgung sein – das beklagt die UWG. Das Ärztenetzwerk MedFor teilt diese Sorge aktuell zwar nicht – es warnt aber vor einem stadtweiten Hausärzteschwund in den nächsten Jahren.

Die Südstadt wird bald ohne allgemeinmedizinische Versorgung sein — das beklagt die UWG. Das Ärztenetzwerk MedFor teilt diese Sorge aktuell zwar nicht — es warnt aber vor einem stadtweiten Hausärzteschwund in den nächsten Jahren.

Die UWG macht sich Gedanken um die allgemeinmedizinische Versorgung in der Südstadt. Anlass ist ein Schild an der Praxistür von Dr. Johannes Treppmann, der seinen Schwerpunkt nach Grevenbroich verlegt hat. "Künftig wird er nur noch zweimal in der Woche für je zwei Stunden präsent sein. Das ist zu wenig für die mehr als 5400 Südstädter", klagt Fraktionsvorsitzende Martina Flick. Sie hat die Bürgermeisterin schriftlich aufgefordert, sich für eine Verbesserung der Situation einzusetzen. "Alte Leute oder Erkrankte müssen nun mühsam mit Bussen oder Taxen eine Praxis in der Umgebung aufsuchen, wenn sie zu einem Allgemeinmediziner wollen", erklärt Flick. Diese Prozedur würde die Lebensqualität der Südstädter erneut einschränken, nachdem zunächst die evangelische Kirche, dann die Sparkassen-Filiale geschlossen wurde. "In einer Zeit der alternden Gesellschaft muss es in den Stadtteilen ein gewisses Maß an Infrastruktur und Grundversorgung geben", so die UWG-Chefin.

Der Internist Dr. Peter Cremerius, der in der Südstadt praktiziert, teilt die Befürchtung der UWG nicht: "Der Ortsteil ist keinesfalls unterversorgt", meint der 59-Jährige: "Die Südstadt ist das Wohngebiet der Stadt, viele haben schon lange ihren Arzt im Zentrum", sagt er. Es gebe genügend Hausärzte in der Umgebung — "noch", unterstreicht Cremerius. Das Netzwerk MedFor, zu dem Mediziner aus Grevenbroich und den Nachbargemeinden gehören, geht davon aus, dass in den nächsten sechs Jahren bis zu zehn Hausärzte ihre Praxen wegen Ruhestand aufgeben. "Nachwuchs ist leider nicht in Sicht, so dass ein Hausarztdefizit nicht nur in kleinen Gemeinden, sondern auch in der Stadt droht", meint Cremerius. Die finanzielle Situation sei zunehmend schwieriger geworden, hinzu kämen Repressalien durch Politik und Krankenkassen. "Der Beruf wird seit systematisch vermiest", sagt er. Laut Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist die medizinische Versorgung in Grevenbroich gesichert — noch: "Zurzeit gibt es in der Stadt 35 Hausärzte — das entspricht einer leichten Überversorgung von 103 Prozent", sagt Karin Hamacher, Pressreferentin der KV. Doch würden durch Ruhestand zehn Mediziner fehlen, gebe es auch in Grevenbroich Probleme. "Generell ist der Hausarzt weniger gefragt als Fachärzte", weist Hamacher auf Nachwuchsprobleme hin. Niedergelassene Mediziner müssten früher auf die Suche nach einem Nachfolger gehen. Eine gute Lösung sei Jobsharing.

Zurück zur Südstadt: Dort nimmt Johannes Treppmann die Klagen der UWG mit Verwunderung zur Kenntnis. Seine Praxis werde zurzeit renoviert, daher seien die Betriebsstunden reduziert worden: "Wir bleiben weiterhin vor Ort. In Zukunft wird ein Kollege dort ganztags präsent sein, falls es erforderlich ist", sagt Treppmann. Notfalls werde er einen Shuttle-Service nach Grevenbroich einrichten.

(NGZ)