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Grevenbroich: Unterwegs im Radarwagen

Grevenbroich : Unterwegs im Radarwagen

16 Stunden lang am Tag ist der Radarwagen der Stadt im Einsatz. Geblitzt wird an Schulen und Kindergärten sowie auf Hauptverkehrsstraßen. Als "Wegelagerer" sehen sich Michael Philipp und seine Kollegen allerdings nicht.

Die Radaranlage ist kaum 30 Sekunden lang in Betrieb, da blitzt sie auch schon. Der Fahrer eines schwarzen BMW hat auf der Goethestraße zu stark aufs Gaspedal getreten. Ausgerechnet in der Tempo-30-Zone, ausgerechnet in Steinwurfweite zur Erich-Kästner-Grundschule. "42 km/h" zeigt das Display im Inneren des silberfarbenen VW Caddy an. "Abzüglich von drei Stundenkilometern Kulanz macht das 15 Euro", rechnet Michael Philipp vor. Der 50-Jährige gehört zum Radarteam des Ordnungsamtes, sein Arbeitsplatz sind die Grevenbroicher Straßen.

Der silberfarbene VW Caddy ist täglich 16 Stunden im Einsatz. Foto: M. Reuter

Im Herbst 2010 wurde der Caddy aufgemotzt. Die Stadt investierte 74 000 Euro in die zwei Kameras, die in beide Richtungen gleichzeitig kontrollieren können. Spätestens in diesem Jahr soll sich diese Ausgabe amortisiert haben. Aktuelle Zahlen deuten darauf hin, dass dies gelingen könnte: "Innerhalb von acht Monaten erfasste die Frontanlage 5178 Fahrzeuge, in das Visier der Heckkamera gerieten 2561 Autos und Motorräder", erklärt Rathaussprecher Andreas Sterken.

Geblitzt wird in zwei Schichten - auch an Samstagen. Foto: M. Reuter

"Raubritter" und "Wegelagerer", die nur darauf aus sind, das nächste Auto zugunsten der Stadtkasse zu erfassen — so sieht Michael Philipp sich und seine Kollegen nicht: "Was wir machen, ist vorbeugender Unfallschutz", meint der gebürtige Duisburger, der seit 1968 in Elsen lebt. Und wie bestellt, löst in diesem Augenblick der Blitz aus — ein Taxi rast in den Radarstrahl. "Auf Abschnitten wie der Goethestraße kann Raserei fatale Folgen haben", meint der 50-Jährige. Aus diesem Grund wird vormittags vorwiegend in der Nähe von Schulen und Kindergärten kontrolliert, nachmittags und abends sind die Hauptverkehrsstraßen an der Reihe. "Wer geblitzt wird, merkt sich das in der Regel und fährt beim nächsten Mal vorsichtiger", so Philipp.

Seit 1997 sitzt der Vater von zwei Kindern hinter dem Lenkrad des Radarwagens. Aus Erfahrung weiß er: "Die meisten Autofahrer, die geblitzt werden, sind einsichtig." Wo er hart bleiben muss: "Es gibt Fahranfänger mit Führerschein auf Probe, die ans Auto kommen, nachdem sie geblitzt wurden, und darum flehen, dass ihr Bild wieder gelöscht wird", erzählt der 50-Jährige. Er muss dann mit den Schultern zucken: "Sorry, geht nicht."

Acht Stunden dauert eine Schicht im Radarwagen. Das Team ist täglich von 6 bis 14 Uhr und von 13.30 bis 21.30 Uhr im Einsatz — auch samstags, wenn die anderen Kollegen aus dem Rathaus frei haben. Langeweile bekommt er selten, wenn er im Radarwagen sitzt. Michael Philipp vertreibt sich die Zeit mit Radio hören. Lesen darf er nicht, weil die Anlage überwacht werden muss. Dafür darf er sich aber aufs Wochenende freuen: Dann gibt der 50-Jährige selber Gas — auf seiner 1100er Suzuki. Aber immer mit Blick auf den Tacho.

(NGZ)