Über Neukirchen entsteht jetzt ein Familienbuch.

Systematische Aufbereitung von Familiengeschichte : Ahnenforschung als spannendes Hobby

Klaus-Wenzel Weiler aus Gohr erstellt seit fast 30 Jahren Chroniken. Gerade hat er das Ortsfamilienbuch über Neukirchen fertiggestellt.

Wenn Anlass und Neigung aufeinander treffen, kann das die Geburtsstunde eines spannenden Hobbys sein. Die Ahnenforschung hat das Zeug, zur Lieblingsbeschäftigung der Deutschen zu werden. Längst sind nicht mehr nur Rentner, sondern auch jüngere Menschen mit Feuereifer auf den Spuren ihrer Vorfahren unterwegs oder suchen nach dem Ursprung ihres Familiennamens. Das kann Klaus-Wenzel Weiler bestätigen, der sich noch gut an die Initiatlzündung seiner Leidenschaft erinnert: „Vor 28 Jahren haben wir auf diesem Gelände den Wohnsitz meiner Großeltern abgerissen, um ein neues Haus zu bauen“, erzählt der Bürger aus Gohr.

Klaus-Wenzel Weiler notiert Geschichten von Familien. Zum Recherchematerial gehören auch alte Postkarten. Foto: Anja Tinter

Bei den Baggerarbeiten sei seinem Vater ein alter Grabstein aufgefallen – von Weilers Ur-Ur-Großvater, der 1835 geboren wurde, fügt er hinzu und sagt: „Wir nehmen an, dass das Mal hierher gebracht worden ist, als sein Grab schießlich aufgelöst wurde“, mutmaßt der 65-Jährige. „Und wie es immer so ist: Wenn die Alten erzählen, hört man nicht immer so genau zu. Doch dieser Stein war für mich der Anlass, nachzufragen. Ich sammelte Namen, Bilder – aber die Beziehungen waren nicht eindeutig.“

Eine Chronik der Familie wollte er erstellen und bediente sich dazu mehrerer Quellen: „Am Anfang steht das Familienbuch, das die Geburtsurkunde mit mindestens den Namen der Eltern und Taufpaten sowie Heirats- und im Fall des Falles auch die Sterbeurkunde enthält.“ Die standesamtichen Urkunden, die man als Angehöriger nach entsprechendem Nachweis einsehen darf, reichen im Rheinland bis in das Jahr 1798 zurück, eingeführt wurden sie damals von den Franzosen, die die Region besetzt hatten. „Bis dahin gab es lediglich die Kirchenbücher, die in Gohr bis 1650 zurückreichen, in Neukirchen zum Beispiel aber bis 1623“, so Weiler.

Schließlich habe er angefangen, über Gohr zu recherchieren und einen dicken Band anzufertigen, ebenso wie für Nievenheim, Straberg, Rosellen und schließlich Neukirchen. „Die Tausende Stunden, die ich mit der Recherche verbringe, kann ich gar nicht zählen“, sagt Klaus-Wenzel Weiler und lacht. „Aber ich habe großen Spaß daran.“ Dabei arbeitet er nicht nur vom Esstisch in seinem Haus aus, sondern besucht die Pfarren und tingelt schließlich von Tür zu Tür, um weitere wichtige Quellen zu erschließen: die Totenzettel, die oftmals neben den Namen der Verstorbenen und Angehörigen auch einen Einblick in die Lebensgeschichte und somit weitere Anhaltspunkte liefern. „Man nennt sie auch Lügenzettel, weil über die Verstorbenen manchmal nicht die reine Wahrheit darauf abgedruckt wird“, weiß Wenzel. Zudem sammelt er Sterbeanzeigen, die er ausschneidet oder aus dem Internet herunterlädt. Akribisch listet er alle erforderlichen Daten der Katholiken und der wenigen „eingeheirateten“ Protestanten sowie auch der Juden in einem Word-Dokument auf. Das sind viele, viele Stunden konzentrierte Fleißarbeit. Hinzu kommen die digitalisierten, meist gut erhaltenen Seiten aus den Kirchenbüchern sowie Totenzettel. „Außerdem reise ich herum und fotografiere markante Punkte in den Ortschaften.“ Am Ende kann mithilfe eines speziellen Programms der Stammbaum der jeweiligen Familie erstellt werden.

Mehr als 800 Seiten wird die Genealogie Neukirchens, zu dessen Pfarre neben Neukirchen selbst auch Gubisrath, Neubrück, Speck, Wehl, Neukircher Heide, Mühlrath, Münchrath und Hülchrath gehören, in gebundener Form umfassen, das Material passt gerade so auf eine DVD mit fast fünf Gigabyte. Hinzu genommen hat er auch Helpenstein, „weil die Familienbande so eng sind“. Vier Jahre hat der ehemalige Arbeitsvermittler, der 37 Jahre bei der Agentur für Arbeit beschäftigt war, daran gearbeitet, es zusammenzutragen – ein Schatz von unermesslichem Wert. „Oft sprechen mich Leute aus dem Ort an und bitten mich bei ihren eigenen Recherchen um Hilfe. Das mache ich natürlich gerne.“ Auf diese Weise erstellte er einen Spiegel der katholischen Bevölkerung ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit hinein. „Es ist phäomenal, was man alles findet. Ich fühle mich manchmal wie ein Detektiv.“ Und sein nächstes Projekt? „Ich möchte gerne meine Familienchronik fertigstellen. Außerdem würde Norf meine Projekte sehr gut ergänzen – aber das ist wirklich eine Mammutaufgabe.“