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Grevenbroich: Über 20 Feuerwehreinsätze nach Regengüssen

Grevenbroich : Über 20 Feuerwehreinsätze nach Regengüssen

Zu 29 Einsätzen rückte in der Nacht zu Mittwoch die Feuerwehr nach Regengüssen aus. Ein Problem an der Industriestraße: Die Kanäle im Umfeld sind zu klein.

Die aufs Dach prassselnden Hagelkörner weckten gegen 4.15 Uhr Hannelore Koschnick, die 61-Jährige sah nach draußen: "Das Wasser stand auf der Industriestraße, überflutete den Garten strömte durch den Schacht in den Keller." Die Kaninchen draußen konnte die Feuerwehr, die stundenlang den Keller leer pumpte, retten. "Wir hatten schon früher hier Wasser stehen, so schlimm wie jetzt war es aber noch nie", sagt die Kapellenerin. "Es ist eine Katastrophe, es muss etwas geschehen."

Heftige Regengüsse hatten Mittwoch Teile des Stadtgebiets heimgesucht: 40 Liter prasselten in kurzer Zeit auf einen Quadratmeter — "ein Regenereignis, wie es im statistischen Durchschnitt alle 75 bis 100 Jahre vorkommt", erklärt Rainer Baumgardt, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Grevenbroich (WGV), die fürs Kanalnetz zuständig sind. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, musste fast 30 Einsätze in Kapellen und Wevelinghoven bewältigen. Mehrere Keller — sogar im Kapellener Feuerwehrhaus — mussten leer gepumpt werden.

Nicht zum ersten Mal betroffen sind Familien an der Industriestraße. Bei Magdalena und Friedhelm Breuer schossen die Fluten die Zufahrt hinunter in die Garage des unterhalb des Straßenniveaus liegenden Hauses aus dem 19. Jahrhundert. Dabei hat das Paar ein wasserdichtes Tor zur Straße hin installiert. 2006/2007 hatte die Familie nach Überschwemmungen "80 000 Euro Sachschaden" erlitten. "Wir haben gegen Stadt und WGV geklagt, weil der Kanal unserer Ansicht nach zu klein ist — ohne Erfolg", berichtet Magdalena Breuer (64).

Mittwoch war Aufräumen angesagt. Im Keller der Koschnicks stand noch Wasser, draußen trockneten durchnässte Teppiche. "Den Laminatboden werden wir wohl austauschen müssen", sagt Hannelore Koschnick. Und Magdalena Breuer meint mit Blick auf die Garage: "Die Schränke müssen wir alle abbauen, darunter ist es nass.". Auch wenn viele Menschen in den Hochwasserregionen ungleich schwerer betroffen sind — manche Bilder ähneln sich.

Bei den WGV erklärt Rainer Baumgardt zur Industriestraße: Das Kanalnetz muss für ein 25-jähriges Regenereignis ausgelegt sein. Bei der Industriestraße ist das wegen der Zunahme der befestigten Gewerbeflächen nicht gegeben." Das Problem sei nicht der Kanal in der Straße selbst , sondern die Rohre in den anderen Straßen können laut Baumgardt bei solchen Regenfällen das Wasser aus der Industriestraße nicht mehr fassen. Die WGV arbeiten an einer Lösung: "In diesem Jahr verlegen wir auf der Brandenburger Straße größere Kanäle mit einem Durchmesser von einem Meter und mit stärkerem Gefälle, 2014 verlegen wir auch in der Tal- und Josef-Thienen-Straße neue Rohre." Auf rund 1,3 Millionen Euro schätzt Baumgardt die Kosten. Danach sollen die Überflutungen auf der Industriestraße der Vergangenheit angehören. Rund 3,5 Millionen bis 3,8 Millionen Euro wenden die WGV im Jahr für die Kanalerneuerung auf.

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