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Grevenbroich: U 3-Ausbau in Kitas hat Verspätung

Grevenbroich : U 3-Ausbau in Kitas hat Verspätung

Ab August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf U 3-Betreuung, doch bis dahin schafft die Stadt ihr Ausbauprogramm nicht. Die Verwaltung prüft zurzeit, Lücken mit Tageseltern und Großtagespflege zu schließen.

Das neue Haus für die Neurather Kita "Villa Bärenspaß" ist fast fertig, der Umbau der alten Hauptschule in Gindorf für die "Zaubermühle" läuft, in Gustorf startet bald der Neubau für die "Villa Kunterbunt". Die Stadt gibt beim Ausbau der U 3-Betreuung Gas, rund 5,2 Millionen Euro wurden bislang samt Zuschüssen investiert. Doch schon jetzt ist klar: Das U 3-Ausbauprogramm ist bis zum 1. August 2013 nicht zu schaffen. Ab dann nämlich haben Eltern von Unter-Dreijährigen Anspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind. Laut Landesvorgabe sollen für 32 Prozent der Kinder unter drei Jahren Plätze geschaffen werden.

In Grevenbroich sind dafür 412 U3-Plätze nötig, doch die 32-Prozent-Quote wird zum Stichtag verfehlt. Zurzeit gibt es erst 293 U 3-Plätze in Kitas und Tagespflege, "und zum 1. August 2013 werden wir 378 Plätze bieten können — für rund 29 Prozent der Kinder", sagt Jugendhilfeplanerin Christa Schmitz-Kahmen. Erst Anfang 2014 werde die 32-Prozent-Quote, die laut Stadt eine nicht verpflichtende Bedarfsquote ist, erreicht — und im Sommer 2014 sogar 34 Prozent. Mehrere Tagesstätten müssen nämlich noch umgebaut werden, um Platz für die U 3-Betreuung zu schaffen. Und der Neubau in Gustorf und der von der evangelischen Gemeinde in Kapellen werden laut Stadt erst etwa zum Jahreswechsel 2013/14 fertig.

Ein Problem: "Die Zuschüsse reichen derzeit nicht aus, um alle Maßnahmen rechtzeitig zu verwirklichen. Wir brauchen dringend Zusagen für weitere Landeszuschüsse", erläutert Fachdienstleiter Paul Janus. Betroffen seien etwa der Neubau in Gustorf sowie die Umbauten in der Tagesstätte Frimmersdorf und des Katholischen Kindergartens St. Josef in der Südstadt. "Wir erwarten in Kürze 500 000 Euro, aber für alle noch anstehenden Maßnahmen müssten wir rund 1,5 Millionen Euro bekommen." Doch es gibt auch andere Hürden: "Wir wollen mehrere Kindergarten-Gruppen für Über-Dreijährige in U 3-Gruppen umwandeln. Doch viele Plätze werden erst frei, wenn die Kinder auf die Grundschule wechseln", sagt Schmitz-Kahmen.

Was bedeutet all das für den Rechtsanspruch auf U 3-Betreuung ab August — muss die Stadt mit einer Klagewelle von Eltern rechnen? "Wir sind zuversichtlich, dass wir ab August allen Eltern, die dies wünschen, einen U 3-Platz bieten können", betont Paul Janus. Die große Unbekannte: "Wir wissen nicht, wie viele Eltern tatsächlich eine Betreuung in Anspruch nehmen."

Fehlende Plätze will die Stadt durch mehr Tagespflege ausgleichen. "Als weitere Möglichkeit prüfen wir die Großtagespflege", sagt Janus. Die Idee: Zwei Tagesmütter oder -väter schließen sich zusammen, um etwa in einer angemieteten Wohnung bis zu neun Kinder zu betreuen. "Die Erlaubnis erteilt das Jugendamt, die Eltern würden den Vertrag direkt mit den Tagespflegeeltern abschließen." Eine Tagesmutter interessiere sich bereits für die Großtagespflege. Ein Vorteil für Eltern: Im Gegensatz zu Kitas, die 25, 35 oder 45 Betreuungsstunden in der Woche bieten, "können mit Tageseltern individuelle Zeiten vereinbart werden", so Janus.

(NGZ)