Grevenbroich: Typisch Grevenbroich?

Grevenbroich : Typisch Grevenbroich?

Das Bundeshauptstadt-Brikett hat ausgedient. Jetzt sucht Ursula Kwasny nach einem neuen Stadtgeschenk. Worüber die Bürgermeisterin grübelt: Was ist eigentlich typisch für Grevenbroich?

Gut gemeinte Tipps hat sie schon auf ihrem Schreibtisch liegen: "Der eine schlägt ein bedrucktes Handtuch vor, der andere eine Tasche mit dem Grevenbroich-Logo", erklärt die Bürgermeisterin und seufzt: "So richtig prickelnd ist das aber noch nicht." Ursula Kwasny sucht ein neues Stadtgeschenk, und wartet noch auf die zündende Idee. "Es muss etwas sein, das zu unserer Stadt passt — etwas typisches", grübelt sie.

Einige NGZ-Leser schlagen vor, das "Prümm-Brikett" mit dem Aufdruck "Grevenbroich Bundeshauptstadt der Energie" erst noch aufzubrauchen. Foto: NGZ

Passen würden die Briketts aus Braunkohle, die sich ihr Vorgänger Axel Prümm von RWE sponsern und sie mit dem Slogan der Energie-Hauptstadt verzieren ließ. 2840 Exemplare wurden bei mehr oder weniger offiziellen Anlässen verschenkt, 160 liegen noch im Rathauskeller herum. Doch die will Ursula Kwasny nicht mehr hervorkramen, denn: "Grevenbroich ist mehr als nur Kohle und Kraftwerke", meint sie. In der Essener RWE-Zentrale ist diese Entscheidung bereits angekommen. "Einen Kommentar dazu geben wir aber nicht ab", erklärt Sprecher Manfred Lang.

Typisch Grevenbroich? Das Alte Schloss ist die Keimzelle der Stadt – und es findet sich auch im Wappen wieder. Foto: (Archiv) M. Reuter

Aus der Not heraus hat die Bürgermeisterin ihrem jüngsten prominenten Gast, Armin Maiwald ("Die Sendung mit der Maus"), ein Buch über Diedrich Uhlhorn überreicht. Der war Erfinder, kam aus Grevenbroich und entwickelte die erste Münzprägemaschine der Welt. Das bringt die Bürgermeisterin auf eine neue Idee: "Eine Münze wäre sicherlich auch nicht schlecht." Auf den Taler könnte etwa die Skyline der Schloss-Stadt geprägt werden — "natürlich mit unseren Kraftwerken", wie die Verwaltungschefin hinzufügt. Alternativ könnte sie sich auch eine Krawattennadel vorstellen: "Allerdings hat man mir schon gesagt, dass die Mega-Out seien", gibt Kwasny zu.

Die Bürgermeisterin sucht weiterhin nach etwas Originellem. Das muss zwei Kriterien erfüllen: Es muss bezahlbar (oder gesponsert) sein und etwas mit Grevenbroich zu tun haben. Doch was ist so richtig charakteristisch? Das Alte Schloss? Oder die Rauchschwaden, die kilometerweit zu sehen sind und Grevenbroich zur "Wolkenfabrik" des Kreises machen? Etwa die gewaltigen Riesenbagger aus dem Tagebau? Die leckeren Äpfel, die hier um die Jahrhundertwende gezüchtet wurden? Und was ist eigentlich mit Horst Schlämmer?

Ursula Kwasny zuckt mit den Schultern. Sollte keine Idee kommen, könnte sie auch nach dem Motto ihrer Vorgänger verfahren. Erich Heckelmann verschenkte einen Schlips in dezentem Grau, Theo Hoer eine Krawatte in einem hellen Blauton und Axel Prümm — neben dem Brikett — einen Binder in den Farben der Bundesrepublik. Aber was schenkt sie dann den Frauen unter den Stadt-Gästen?

(RP)