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Grevenbroich: Trotz Handicap voll im Berufsleben

Grevenbroich : Trotz Handicap voll im Berufsleben

Andreas Eitenaier kann seine Zukunft wieder selbst gestalten: Der 41-jährige Mönchengladbacher arbeitet seit September als Dreher beim Grevenbroicher Mittelständler "FWG-IWG Technische Federn". Für ihn keine Selbstverständlichkeit: Denn der gelernte Teilezurichter ist seit seiner Geburt gehörlos, kann nicht sprechen, kommuniziert über Gebärdensprache. "Durch den Job habe ich ein ausgefülltes Leben; kann für meine Frau und mein Kind sorgen", äußert Eitenaier. Noch immer ist der Weg in den Beruf für Menschen mit Handicap nicht selbstverständlich, weiß Karin Schliffke, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Mönchengladbach: "Viele Firmen zahlen lieber die Ausgleichsabgabe."

Bei dem Arbeitgeber von Andreas Eitenaier, dem Federnhersteller "FWG-IWG", stehen 55 Menschen auf der Gehaltsliste; zwei von ihnen mit Handicap. Für Geschäftsführer Manfred Albrecht gab es keinen Hinderungsgrund, sie einzustellen: "Mir ist egal, ob jemand grün oder blau, behindert oder nicht behindert ist — wenn er seine Arbeit leistet." Das Einzige, was Manfred Albrecht abschreckt: "Die umfangreichen Vorschriften und Gesetze." So muss etwa ein Amtsarzt überprüfen, ob ein behinderter Bewerber auch für seinen Job geeignet ist — im Fall von "FWG-IWG" findet die Produktion in warmen Räumen statt, teilweise ist die körperliche Belastung hoch. "Dafür ist nicht jeder geeignet", weiß Manfred Albrecht.

Um den geeigneten Mitarbeiter zu finden, steht er in Kontakt mit der Mönchengladbacher Arbeitsagentur. Dort kümmern sich 14 Männer und Frauen um die unterschiedlichen Belange der Rat- und Arbeitssuchenden mit Handicap. Wie "Behinderung" definiert ist, erläutert Barbara Dohmen, stellvertretende Teamleiterin Reha/SB: "Behindert ist nicht nur derjenige, der körperliche Einschränkungen hat. Sondern auch jeder, der seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann." Sie nennt das Beispiel einer Friseurin, die wegen Allergien ihren Job nicht mehr ausüben kann oder das eines Menschen, der wegen einer Krankheit nicht mehr arbeiten könne.

Den richtigen Bewerber für eine freie Stelle zu finden — das sei die größte Herausforderung, sagt Heinz-Günter Theißen, der bei der Arbeitsagentur die Arbeitgeber berät. "Wir müssen die Besonderheit des einzelnen Bewerbers sehen und das Angebot des Arbeitgebers. Im Idealfall passt beides zueinander wie ein Schüssel ins Schloss." Doch manchmal seien Feinjustierungen notwendig. Zudem leiste die Arbeitsagentur finanzielle Zuschüsse, bis ein Bewerber die volle Leistung in seinem Job bringen kann.

Neben Andreas Eitenaier hat auch der 26-jährige Frederik Neues bei "FWG-IWG" seine berufliche Zukunft gefunden. Neues ist kleinwüchsig, erledigt seine Tätigkeiten von einer speziellen Bühne aus. Der ausgebildete Metallbearbeiter freut sich, nach einigen Monaten Arbeitslosigkeit wieder in Lohn und Brot zu stehen: "Ich bin froh wieder zu arbeiten. Der Job macht mir Spaß", sagt Neues.

Was sich Karin Schliffke und ihre Kollegen für die Zukunft wünschen: "Dass mehr Chefs Menschen mit Handicap einstellen."

(NGZ/ac)