Grevenbroich: Trauer um die Künstlerin Anne Behrens

Grevenbroich : Trauer um die Künstlerin Anne Behrens

Im Alter von 82 Jahren ist die "Grande Dame der Papierkunst" gestorben. Noch für den November plante die Wahl-Gieratherin eine Ausstellung in Hülchrath.

Künstlerisch gearbeitet hat sie bis zuletzt. Noch für den nächsten Monat war eine Ausstellung in der ehemaligen Synagoge im mittelalterlichen Hülchrath geplant. Anne Behrens wollte dort ihre neuesten Arbeiten präsentieren. Doch dazu wird es nicht mehr kommen. Die "Grande Dame der Papierkunst" starb in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 82 Jahren.

Ein Schock für den Grevenbroicher Kunstverein, in dem die Wahl-Gieratherin seit der Gründung im Jahr 1983 als Vorstandsmitglied aktiv war. "Mit ihr haben wir nicht nur eine große, kreative Künstlerin verloren, sondern auch eine großartige Ideengeberin", bedauert Vorsitzender Hans-Rainer Willmen.

Anne Behrens war Künstlerin aus Leidenschaft. Schon als Schülerin im norddeutschen Papenburg reifte in ihr der Gedanke, "irgendwann irgendwas mit Kunst" zu machen. Ab 1953 studierte sie acht Semester an der Werkkunstschule in Düsseldorf, bevor sie später fast 30 Jahre lang angehende Erzieherinnen und Sozialpädagogen an der Grevenbroicher Fachhochschule in Kunst unterrichtete. "In jedem Menschen steckt etwas Kreatives, man muss es nur herausholen" - das war ihr Credo.

Geprägt vom Bauhaus, der Düsseldorfer Künstlergruppe Zero und der Minimal-Art, wurde Anne Behrens vor allem bekannt durch ihre Papierarbeiten und ihre besondere Form des Scherenschnitts. Die in ihrem Jüchener Atelier entstandenen Werke haben eines gemeinsam: Sie stehen für Themen, die die Künstlerin bewegten und beschäftigten.

So widmete sie sich 2015 in ihrer letzten großen Ausstellung anlässlich ihres 80. Geburtstages im Grevenbroicher Niederrhein-Museum insbesondere der Flüchtlingsproblematik. 25 Scherenschnitt-Kreise, die an einer Wand nach der Farbenlehre des Bauhaus-Malers Johannes Itten angeordnet wurden, standen nicht nur für die Farben-, sondern vor allem auch für die Völkervielfalt.

Trotz ihres hohen Bekanntheitsgrades, der weit über Grevenbroich, selbst über den Rhein-Kreis hinausging: Anne Behrens blieb zeitlebens eine Künstlerin zum Anfassen. Sie hat ihre eigenen Ausstellungen betreut, konnte sich unglaublich freuen, wenn jemand mit dem Vorschlag für eine Schau an sie herantrat. Und meistens kam schon vor der Eröffnung der Satz: "Ich hab schon wieder ganz viele neue Ideen!" Denn die gingen ihr wirklich nie aus. Und so sammelte sie, was sie bekommen konnte: Tüten aus einer ehemaligen Zuckerfabrik, Zeitungen, Kartons, Reste von uralten Bäumen aus Übersee. Unter Anne Behrens' Händen verwandelte sich die Fundstücke in wunderbare Kunstwerke, die sie auch gern verschenkte. Denn Anne Behrens liebte die Menschen, und die liebten sie. Nicht zuletzt lagen ihr Kinder am Herzen, am Rande ihrer Ausstellungen demonstrierte sie mit flinken Fingern vor staunenden Augen die Kunst des Scherenschnitts. Vor allem ihre Zwerge aus schwarzem Fotokarton waren beliebt.

Eine ihrer letzten Ideen widmete Anne Behrens der Schreibschrift, mit deren Abschaffung sie sich nicht anfreunden wollte. Die Künstlerin fertigte Mappen an, in der sich jeweils vier mit Scherenschnitt-Bäumen beklebte Karten aus Büttenpapier befanden. "Großväter sollten ihren Enkeln darauf etwas in Schreibschrift hinterlassen", sagte Behrens. "In 20 Jahren, wenn niemand mehr Briefe schreibt, werden diese Handschriften sicher mehr wert sein als meine Bilder."

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE