Trainingscamp für sauberes Trinkwasser für die Welt

Rotes Kreuz in Grevenbroich : Sauberes Trinkwasser für die Welt

Rund 20 Rot-Kreuz-Helfer aus fünf europäischen Ländern trainieren zurzeit an der Erft in Frimmersdorf die Trinkwasseraufbereitung im Katastrophenfall. Technik und Personal kommen beispielsweise in Afrika  zum Einsatz.

Weiße Zelte sind am Erft-Ufer aufgebaut, etliche Einsatzfahrzeuge stehen bereit, das Deutsche Rote Kreuz hat neben dem Weg zum Frimmersdorfer Bahnhof ein Lager aufgeschlagen. Eine Woche lang üben rund ehrenamtliche 25 Helfer aus Italien, Chile, Kroatien, Finnland und Deutschland bei einer Fortbildung die Aufbereitung von Trinkwasser nach Erdbeben, bei Überflutungen oder für Flüchtlingscamps.

Sauberes Trinkwasser ist in vielen Ländern ein knappes Gut – um so mehr, wenn die Versorgung nach einer Katastrophe nicht mehr funktioniert. Die Wasser- und Sanitärversorgung hat entscheidenden Einfluss auf das Überlebenden der Betroffenen.

Trainingsleiter Philipp Polanski hat diese Erfahrung in mehreren Einsätzen gemacht – im Sudan etwa oder 2010 in Tansania. „Rund 20.000 Menschen waren in Tansania von einer Überflutung betroffen. Das Wasserwerk war zerstört, ein Brunnen verschlammt“, berichtet der 33-Jährige. Trinken die Menschen dann beispielsweise aus Flüssen, „drohen Durchfallerkrankungen, der Ausbruch von Cholera und Ruhr“, schildert Polanski.

Schnelle Hilfe tut also Not. In mehreren Ländern verfügt das rote Kreuz über sogenannte WASH-Einheiten, die weltweit für den Aufbau der Trinkwasserversorgung und Sanitäranlagen und für die Hygiene zum Einsatz kommen. In zentralen Lagern – in Deutschland in Schönefeld – wird die standardisierte Technik bereit gehalten. Die kleinste Aufbereitungsanlage kann bereits am Tag des Eintreffens in Betrieb gehen. Die größte Anlage TWS 40 – sie soll bis zu 40.000 Menschen versorgen – ist laut Polanski nah spätestens eine Woche nach ihrer Anforderung am Katastrophenort einsatzbereit. Die Technik in Kürze: Mit Pumpen wird das Wasser aus Fluss oder Brunnen gefördert. In einem Tank wird Aluminiumsulfat beigegeben, damit sich der Schmutz am Boden des Behälters festsetzt. In einem größeren 90.000-Liter-Tank wird das Wasser gechlort, um verteilt oder mit Lastwagen transportiert zu werden. Am Tag können 600.000 Liter aufbereitet werden. „Für eine Personen werden pro Tag 15 Liter eingerechnet.

Am Erft-Ufer bauen Rot-Kreuzler aus verschiedenen Nationen einen Aufbereitungstank mit sieben Metern Durchmesser auf. „Der muss eben stehen, sonst droht er bei 70 Tonnen Gewicht umzukippen“, erklärt Wolfgang Pentz (56) aus Bayern. Erläuterungen gibt er auf Englisch. Im Einsatzfall würden die Teams aus verschiedenen Ländern gebildet und arbeiten mit dem Roten Kreuz vor Ort zusammen. Auch Pentz hat Praxis-Erfahrung. „Zusammen mit der Bundeswehr haben wir bei der Ebola-Epidemie in Liberia ein Krankenhaus aufgebaut. Aus Finnland ist bei der Fortbildung Rami Syed dabei, der 43-Jährige hatte während des Bürgerkrieges in Libyen ein Flüchtlingslager in Tunesien mit aufgebaut. „Die Fortbildung hier ist sehr praxisnah“, sagte er. Dazu gehört auch, dass die Teilnehmer in Zelten übernachten – eben realitätsnah.

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