Traditionslokal Erftruhe in nächster generation von Sandra Schmitz geführt

Tochter übernimmt elterlichen Betrieb in 3. Generation: Sandra Schmitz übernimmt jetzt die „Erftruhe“ in Wevelinghoven

Im Januar 2019 existiert das Traditionslokal 90 Jahre. Ebenso lange ist es in Familienbesitz. Vater Willibert übergibt jetzt an Tochter Sandra.

Wer seinen eigenen Betrieb aufgebaut und etabliert hat, hängt mit Herzblut an seinem Lebenswerk. Jetzt Abschied zu nehmen, fällt Willibert Schmitz trotzdem nicht wirklich schwer: „Margot und ich setzen uns ja nicht in den Sessel und tun nichts mehr“, sagt der 70-jährige Neu-Pensionär. Denn pünktlich zum runden Geburtstag hat ihm Tochter Sandra (40) „den Ruhestand geschenkt“. Und der Senior freut sich darüber. Denn „ich weiß, dass meine Tochter den Betrieb fest im Griff hat“.

Vater Willibert übergibt jetzt offiziell die Verantwortung für die „Erftruhe“ an seine Tochter Sandra Schmitz. Foto: Tinter, Anja (ati)

Der Betrieb ist die „Erftruhe, jenes Traditionshaus in Wevelinghoven, das einst als Sporthotel begann, das dann von Sibilla und Willi Schmitz übernommen und unter Willibert Schmitz’ Führung zu einer wichtigen Adresse für Ausflügler, Spaziergänger und Schützen wurde. „Schon als junger Kerl habe ich Thekendienst gemacht“, erinnert sich der Senior an Phasen, in denen er parallel zu seiner Kaufmannslehre im elterlichen Betrieb mithalf. 1981 übernahm er dann offiziell mit Ehefrau Margot. „Heimlich habe ich mir gewünscht, Sandra möge eines Tages in unsere Fußstapfen treten“, erinnert er sich.

Die erste Generation „Erftruhe“: Sibilla mit Ehemann Willi Schmitz in den 1960er Jahren. Dann übernahmen Margot und Willibert Schmitz. Foto: Valeska von Dolega

Und das tat die Tochter. Zwar hat sie sich nach dem 1998 am Erasmus-Gymnasium absolvierten Abitur zunächst für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau entschieden und arbeitete später als Betriebsassistentin. Aber 2008 wechselte sie quasi ins elterliche Unternehmen. Damals musste die „Erftruhe“ radikal um- und ausgebaut werden. „Mein Patenonkel Anton Bors hat das federführend betreut“, erinnert sich Sandra Schmitz an jene Zeit. Anfangs war Papa Willibert skeptisch, auch wegen der „hohen Investitionssumme. Aber als ich dann sah, wie Sandra das alles managte, war ich ein für alle Mal überzeugt.“ Seitdem lässt er ihr freie Hand, „unsere Zusammenarbeit klappt perfekt“, sagen Beide. Zwar wären mitunter „die Fetzen geflogen, aber ebenso schnell haben wir uns wieder geeinigt“. Keine Geheimnisse voreinander zu haben und ehrlich im Umgang zu sein, benennen sie als „Gründe, dass es immer „gefluppt hat“.

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„Wer Stillstand vermeiden will, muss auch loslassen können“, sagt Willibert Schmitz. „Zu sagen, das haben wir immer so-und-so gemacht, führt zu nichts“, beschreibt der Vater, wie er vertrauensvoll manche Neuerung seiner Tochter überlassen habe. „Sie ist ehrgeizig, und mit Geld kann sie auch umgehen“, beschreibt er zwei wichtige Tugenden der Geschäftsfrau. „Ich bin sehr stolz auf meine Sandra.“

Der Blick ins Gästebuch liest sich mitunter prominent. Neben lokalen Persönlichkeiten wie Marita Kölner, besser bekannt als „ et fussich Julche“, haben sich Rudolf Scharping, Annemarie Renger, Rainer Maria Woelki und Schlagerstars wie Michael Holm und Gil Ofarim eingetragen. „Wir haben tolle Gäste“, schwärmen Vater und Tochter. Vom Straßenkehrer bis zum Professor reicht das Spektrum, „so soll das bleiben“, sagt Sandra Schmitz. In bester Familientradition betont sie: „Ich bin gerne Gastgeberin.“

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