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Grevenbroich: Tischlergeselle baut preisgekröntes Möbel

Grevenbroich : Tischlergeselle baut preisgekröntes Möbel

Hundert Stunden hat er für sein Möbel gebraucht. Die Arbeit hat sich für Stefan Ehrich gelohnt. Die Kreis-Tischlerinnung zeichnete ihn aus.

Ein riesiges Gesellenstück wollte er nicht bauen. Also keinen Schrank im klassischen Sinne. "Ich habe mich für ein Flurmöbel entschieden, was ja dezent ist. Aber dann ist es ja doch eher auffällig geworden", sagt Stefan Ehrich. In der Tat: Das Gesellenstück des 25-Jährigen fällt ins Auge, ein Blickfang in jedem Flur. Es ist ein Möbel mit beweglichen Teilen, einer Tür, einer Klappe, einem Schubkasten — und das alles in Magenta und gebleichtem Ahorn. Schick!

Mit diesem Schmuckstück, für das er etwa 100 Stunden Arbeitszeit benötigte, schaffte Stefan Ehrich beim Wettbewerb "Die gute Form" in diesem Jahr den zweiten Platz. Und er gewann darüber hinaus von den im Neusser Rathaus ausgestellten Möbeln den Publikumspreis. Aber noch viel mehr wirkt sein Ergebnis bei der Gesellenprüfung der Tischlerinnung im Rhein-Kreis Neuss: Stefan Ehrich wurde jetzt bei der Lossprechungsfeier als Jahrgangsbester geehrt.

Der 25-Jährige hat in der Tischlerei von Thomas Hoffmann in Grevenbroich gelernt. Warum er den traditionsreichen Beruf wählte, erklärt Ehrich so: "Ich habe früher mit meinem Vater oft an der Modelleisenbahn gearbeitet, wir haben gemeinsam Landschaften aus Holz nachgebildet, was richtig Spaß gemacht hat." Als es später um den "Ernst des Lebens" ging, musste er nicht lange überlegen: "Ich wollte unbedingt den Tischlereiberuf erlernen — da kann man mit seinen eigenen Händen etwas schaffen."

Dass Stefan Ehrich mit seinem Gesellenstück so gut abgeschnitten hat, freut den Tischlerei-Chef Thomas Hoffmann: "Wir sind mächtig stolz darauf, dass wir den Jahresbesten in unseren Reihen haben." Anders als in großen Betrieben, wo moderne Maschinen die Arbeit abnehmen, sind bei ihm Handwerk und spezielle Fähigkeiten gefragt. "Es liegt an den Auszubildenden, was sie mit den Möglichkeiten machen, die im Betrieb geboten werden", erklärt Hoffmann.

Stefan Ehrich hat diese Chance genutzt. Er fühlt sich wohl in dem Betrieb, der ihm nun auch über die Gesellenprüfung hinaus weitere Chancen bietet. "Wir haben ein Stipendium ausgelobt", sagt Hoffmann. Wenn Ehrich im Betrieb bleibe, dann könne er dort seinen Meister machen und werde dabei finanziell unterstützt. "Im Gegenzug bleibt er mindestens fünf Jahre hier, oder er müsste — wenn er früher geht — das Stipendium anteilmäßig zurückzahlen", sagt der Chef. Stefan Ehrich will dieses Angebot nutzen. Schon im nächsten Jahr will er den Weg zum Meister gehen.

Und was geschieht mit dem ausgezeichneten Gesellenstück? "Es gibt Lehrherren, die behalten diese Arbeiten und verkaufen sie. Bei uns aber war es schon immer so, dass jeder sein Gesellenstück behalten darf", erklärt Thomas Hoffmann. Stefan Ehrich wird das Möbel bei sich zu Hause aufstellen. Aber nicht im Flur. "Denn dort ist nicht ausreichend Platz", sagt der 25-Jährige. Aber das schöne Werk ist auch in jedem Wohnzimmer eine Zierde.

(NGZ/ac)