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"Tiny Houses": Grevenbroich zögert noch

Neue Formen des Wohnens : „Tiny Houses“ - Grevenbroich zögert noch

Die Nachbargemeinde Rommerskirchen registriert ein hohes Interesse an Mini-Häusern und startet ein Pilotprojekt. In Grevenbroich vermisst der Soziologe Claus Schäfer eine solch alternative Wohnform, als Standort schlägt er das brach liegende Lange-Walker-Gelände vor. In der Stadtverwaltung seien Tiny Houses „noch kein Thema“ gewesen, heißt es im Grevenbroicher Rathaus.

Bis zum Jahr 2030 sind in Grevenbroich rund 630 zusätzliche Sozialwohnungen erforderlich. Es besteht Handlungsbedarf. Eine Möglichkeit, preiswert an die eigenen vier Wände zu kommen, sind „Tiny Houses“. Dabei handelt es sich um sehr kleine (tiny: winzig) Häuser, die wenig Grundfläche haben und folglich auch nur ein kleines Baugrundstück benötigen.

Der Grevenbroicher Soziologe Claus Schäfer, der selbst vom Einfamilienhaus zum „Tiny House“ wechseln möchte, vermisst in seiner Heimatstadt eine solch alternative Wohnform. „Die einschlägigen Foren im Internet zeigen, dass das Interesse dran groß ist – vor allem bei Menschen aus Düsseldorf oder Köln, die im Umland nach preiswertem Wohnraum suchen.“ Schäfers Vorschlag: Die Stadt soll eine Vorreiterrolle einnehmen und passende Grundstücke für Mini-Häuser zur Verfügung stellen.

Nach Auffassung des ehemaligen UWG-Ratsherrn eigne sich das seit Jahrzehnten brach liegende Lange-Walker-Gelände in Wevelinghoven für eine „Tiny House“-Siedlung. „Es ist größtenteils von Altlasten saniert worden, die erforderlichen Versorgungsanschlüsse existieren bereits“, sagt Schäfer und regt an: „Die Verantwortlichen im Rathaus sollten einmal darüber nachdenken.“

Was bislang offensichtlich nicht geschehen ist. Zumindest seien „Tiny Houses“ in der Verwaltung „noch kein Thema“ gewesen, wie Sprecherin Claudia Leppert erklärt. Eine schriftliche Anfrage unserer Redaktion bei Bürgermeister Klaus Krützen, ob es Überlegungen zu einer solch alternativen Wohnsiedlung im Stadtgebiet gibt, blieb unbeantwortet.

Die Nachbargemeinde ist da schon einen guten Schritt weiter. Rommerskirchen hatte im Herbst vergangenen Jahres eine Bedarfsabfrage gestartet – „und die Resonanz war überwältigend“, schwärmt ein deutlich mitteilungsfreudigerer Bürgermeister Martin Mertens. Immerhin hätten binnen kurzer Zeit rund 70 Interessenten auf die Initiative der Gemeinde reagiert, „etwa 40 davon sind ernsthaft interessiert“. Das seien zu viele, um jeden Wunsch erfüllen zu können. Denn in Widdeshoven sollen künftig lediglich zwischen sechs und acht „Tiny Houses“ ein Neubaugebiet mit klassischen Einfamilienhäusern abrunden. Mertens will bei der Politik dafür werben, „dass wir in Zukunft solche Mini-Häuser bei neuen Baugebieten berücksichtigen“.

 Eine hohe Nachfrage sei aus den umliegenden Großstädten Köln und Düsseldorf zu verzeichnen – aber nicht nur: „Auch ältere Leute, die in unserer Gemeinde leben, möchten sich mit ,Tiny Houses’ in Widdeshoven niederlassen“, sagt der Bürgermeister. Noch offen ist, wie die Grundstücke vergeben sollen.

Eine solche Initiative würde sich Claus Schäfer auf dem 3,5 Hektar großen „Sahne-Grundstück“ in Wevelinghoven wünschen. „Nicht zuletzt auch, weil von der ,Tiny House’-Bewegung eine ganze Reihe örtlicher Handwerksbetriebe – vom Klempner bis zum Elektriker – profitieren könnten.“