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Grevenbroich: Tinnef und echte Schätzchen

Grevenbroich : Tinnef und echte Schätzchen

Der Antikmarkt im Montanushof war gut besucht – doch die Händler beklagten schlechte Geschäfte. Viele Besucher kamen um zu schauen, antike Gläser, Broschen und Gemälde nahm kaum jemand mit nach Hause.

Helmut Schütz ist mitten in der Nacht aufgestanden, hat seinen Hänger gepackt und sich auf den Weg nach Grevenbroich gemacht. Nun sitzt der Antikhändler im Eingangsbereich des Montanushofs und schaut recht bedröppelt, wie sich die Grevenbroicher an seinem Stand vorbei schieben. "Kaufen will hier keiner was. Die gucken ja noch nicht mal richtig", sagt Schütz traurig. So wie ihm geht es vielen Händlern an diesem Sonntag. Dabei steht der Grevenbroicher Antikmarkt doch eigentlich im Ruf, eine erlesenes Angebot und sachkundiges Publikum zu bieten.

"Die wilden Zeiten sind vorbei"

Tatsächlich kann es am Angebot nicht liegen. Zwar ist die Zahl der Händler etwas nach unten gegangen. Doch wer gekommen ist, hat echte Schätzchen dabei. Einen barocken Uhrenkasten etwa, oder einen Geldwechslerkasten aus dem 18. Jahrhundert. Elfenbein-Nähzeug findet sich neben Taschenuhren der Jahrhundertwende, die bergische Dröppelminna steht versteckt neben einem Ölschinken nicht näher zu bestimmender Landschaftsmalerei. Dazwischen Tinnef der feinsten Sorte: Ein ziemlich mottenzerfressener Lampenschirm aus den 30er Jahren etwa, der irgendwann mal eine prächtige Puppe war.

Hannelore Wilming hat ihn mitgebracht. Weil sich von den potenziellen Kunden aber derzeit niemand für ihr Angebot interessiert, hat sich die Händlerin hinter den Stand und mit ihrem Mann zurückgezogen. "Dann spielen wir eben Karten. Da sind wir ganz genügsam", sagt Wilming. Zehn Meter weiter wird sogar noch Ware produziert. Konkret: nachlackiert. Ulrike Weyerstraß und Uschi Schmitz basten Vogelhäuschen für Fußballverrückte. In Handarbeit. Das Endergebnis ist zwar nicht antik, macht aber dennoch etwas her. Knapp 100 Euro wollen die Heimwerkerinnen für ihre Fußballvogelhäuschen haben. "Zuviel für eine Laufkundschaft", wie Weyerstraß nach sechs Stunden im Montanushof zugeben muss. Kein einziges Häuschen hat sie verkauft: "Aber viele Telefonnummern ausgetauscht. Da wird wohl erst einmal kräftig in Freundeskreisen gesammelt."

Horst Keppler ist einer, der gestern tatsächlich gekauft hat. Eine Kette für die Frau mit (wahrscheinlich) echten Steinen und einem (ganz sicher) lange ausgehandelten Preis. Keppler ist zufrieden: "Ich stöber einfach gerne herum, und wenn ich dann etwas gefunden habe, dann macht es mir Spaß, mit den Händlern zu feilschen."

Wäre er doch mal bei Helmut Schütz stehen geblieben. Der hat nämlich mittlerweile die Nase voll und packt zusammen. "Die wilden Zeiten sind vorbei. Früher konnte man auf solchen Märkten noch richtig Geld verdienen. Schade eigentlich."

(NGZ)