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Grevenbroich: Tierfreunde warnen: Osterhase in Gefahr

Grevenbroich : Tierfreunde warnen: Osterhase in Gefahr

Der Osterhase bringt die Eier, klarer Fall. Doch wie lange noch? Die Bestände des Feldhasen sind dramatisch zurückgegangen, beklagen Tierschützer. Sie fordern mehr Freiräume für Mümmelmann und Meister Lampe.

Die Kleinen bekommen nur das beste Futter: Kräuter und Kleearten, die eigens für sie in Blumentöpfen herangezogen werden. Aus gutem Grund: Die jungen Feldhasen sind für die Tierschützer aus dem Schneckenhaus so wertvoll wie nie zuvor. Denn Meister Lampe verschwindet allmählich aus der Landschaft, die Bestände gehen zurück. "Und zwar extrem", sagt Norbert Wolf, der Chef der Grevenbroicher Wildtierstation.

Das lässt sich auch aus den jüngsten Zahlen des Vereins "Wildtierschutz Deutschland" ablesen, der jetzt Alarm schlägt. "Im Frühjahr 2007 wurden bundesweit noch etwa 1,7 Millionen Tiere ermittelt, im März 2012 waren es gerade noch 940 000", erklärt Vorsitzender Lovis Kauertz. Nach seiner Schätzung dürften jetzt, zu Ostern, noch etwa 820 000 Hasen über Deutschlands Fluren hoppeln. Tendenz: sinkend.

Warum der Feldhase verschwindet: "Hauptsächlich liegt das an der Art, wie heute Landwirtschaft betrieben wird", meint Norbert Wolf. Der Lebensraum für die Mümmelmänner werde immer kleiner, ebenso fehle die dringend benötigte Nahrungsvielfalt. "Die Jagd setzt dem Bestand zusätzlich zu", so Lovis Kauertz. Er fordert, die Hasenhatz für mindestens fünf bis zehn Jahre vollkommen einzustellen.

Dass sich Feldhasenbestände relativ rasch erholen können, hat eine regionale Studie von RWE Power belegt. Die Forschungsstelle unter Leitung des Biologen Ulf Dworschak hat 2002 ein Projekt auf rekultivierten Tagebau-Arealen gestartet, in denen — trotz Landwirtschaft — artgerechte Zonen eingerichtet wurden. "Mit Erfolg", wie RWE-Sprecher André Bauguitte berichtet: "Innerhalb von sechs Jahren stieg der Bestand von 18 auf 41 Hasen pro 100 Hektar. Die Population hat sich mehr als verdoppelt."

Norbert Wolf hofft darauf, dass sich Grevenbroicher Landwirte künftig mehr für den Schutz von Meister Lampe einsetzen werden. "Breitere Ackerrandstreifen, die nicht gespritzt werden, würden schon viel helfen", meint er. Dort würden Feldhasen dann nicht nur Verstecke, sondern auch das richtige Nahrungsangebot finden. Und damit die selben Kräuter und Kleearten, die im Schneckenhaus für die jungen Findelhasen in Blumentöpfen herangezogen werden.

(NGZ)