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Grevenbroich: Thiel zieht in Landtag ein – SPD stärkste Kraft im Kreis

Grevenbroich : Thiel zieht in Landtag ein – SPD stärkste Kraft im Kreis

Strahlende Gesichter bei der SPD: Der gelernte Starkstromelektriker Rainer Thiel (60) holt im Wahlkreis 45 (Grevenbroich, Dormagen, Rommerskirchen) 39,7 Prozent der Stimmen und zieht in den Landtag ein.

Trauer auf der CDU-Seite: Amtsinhaber Wiljo Wimmer (51) schafft es nicht, der Jurist bringt es auf 37,4 Prozent — er muss sein vor 20 Monaten im Düsseldorfer Landtag bezogenes Büro räumen.

Als er Rainer Thiel — der in Grevenbroich 39,7 Prozent der Erststimmen erreichte — gestern um 20.10 Uhr im Willy-Brandt-Haus am Platz der Republik einzog, wurde er vom Jubel der Sozialdemokraten empfangen.

Die SPD in Party-Laune! "Das ist ein tolles Ergebnis, und es wird getragen von den vielen Helfern im Wahlkampf. Solche Kraft braucht man auch", sagte Rainer Thiel vor den Genossen.

In der Stimmung des Sieges wollte der Dormagener allerdings noch keine politischen Analysen wagen: "Bei aller Freude spüre ich die Verantwortung — und zu ihr werde ich im Landtag stehen", meinte Thiel. Schadenfreude über das Ergebnis der CDU gab es beim SPD-Kreisvorsitzenden Klaus Krützen nicht: "Das war eine Ohrfeige für Norbert Röttgen. Sein Schlingerkurs wurde abgestraft", meinte er.

Wiljo Wimmer traf sich am Abend mit Parteifreunden im Dormagener Traditionslokal "Em Höttche" — und hatte dort kaum Grund zum Jubel: "Das ist ein desaströses Ergebnis in NRW, das ich so wirklich nicht erwartet habe", kommentierte der CDU-Kandidat, der in Grevenbroich 35,5 Prozent erreichte. Von seinem Ergebnis sei er enttäuscht: "Ich hätte natürlich gerne weitergemacht", betonte Wimmer: "Wenn man aber sieht, dass selbst eine CDU-Hochburg wie Neuss wackelt, dann ist mein Ergebnis noch achtbar. Ich habe gekämpft und war präsent — ich weiß nicht, was ich mir vorwerfen kann." Wimmers Meinung: Norbert Röttgen habe "leider keine verbindliche Position vertreten".

Diese Einschätzung teilte der Grevenbroicher CDU-Fraktionschef Norbert Gand: "Röttgen war blass. Das schlechte Ergebnis ist zum großen Teil auf ihn zurückzuführen." Bertram Graf von Nesselrode, Ratsherr und Kreistagsabgeordneter aus Wevelinghoven, wertete das CDU-Ergebnis gar als einen "kleinen politischen Taifun, der über das Land und Teile des Rhein-Kreises gezogen" sei: "Wir haben zwei von drei Wahlkreisen verloren — das ist eine Katastrophe."

Gute Laune herrschte indes bei Rafael Kazior von der Piratenpartei. 8,5 Prozent eroberte der Dormagener in Grevenbroich. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", erklärte Kazior. Sechs Wochen habe er im Wahlkampf versucht, "die wichtigsten Fragen piratig" zu erklären — sein Ergebnis wertete er als Erfolg. Mit 6,2 Prozent schloss der grüne Kandidat Martin Knoke den gestrigen Tag in Grevenbroich ab. "Wir haben zwar gegenüber der Landtagswahl 2010 leicht Federn lassen müssen, doch mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein", sagte der grüne Stadtverbandsvorsitzende Dieter Dorok. Was den Kapellener freute: "Rot-Grün hat in NRW endlich eine stabile Mehrheit."

Freude herrschte im Lager der FDP vor: Dr. Peter Cremerius, der erst seit knapp einem halben Jahr Mitglied der Freidemokraten ist, holte im Wahlkreis 6,1 Prozent, in seiner Heimatstadt Grevenbroich lag er am Ende bei 7,8 Prozent. "Das Ergebnis freut mich — und vom Abschneiden in NRW bin ich begeistert", betonte der Arzt und Präsident der Bürgerschützen: "Wir steigen aus dem Tal der Hoffnungslosen." Cremerius schließt es übrigens nicht aus, bald auf kommunaler Ebene zu kandidieren: "Stadt- und Kreispolitik interessiert mich."

Ein Schulterklopfen für den Kandidaten gab es von Bijan Djir-Sarai: "Gut gemacht", meinte der Bundestagsabgeordnete. Das Ergebnis der FDP in Nordrhein-Westfalen wertete er als sensationell: "Vor wenigen Wochen standen wir noch bei zwei Prozent — und jetzt das!" Sarai geht davon aus, dass die Liberalen im Land "einen Vertrauensvorschuss" erhalten hätten: "Den dürfen wir aber nicht aufs Spiel setzen", warnte der Abgeordnete: "Was jetzt gilt, ist eine nüchterne und sachliche Politik."

(NGZ)