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Grevenbroich: Thiel oder Lierenfeld - Duell der Landtagskandidaten

Grevenbroich : Thiel oder Lierenfeld - Duell der Landtagskandidaten

Die Bewerber um die SPD-Landtagskandidatur Erik Lierenfeld und Rainer Thiel über Energie, Verkehr und Demografie

Ein wichtiges Thema im Rhein-Kreis: die Energiepolitik. Braunkohle oder Erneuerbare Energien? Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Rainer Thiel: "Grevenbroich braucht neue Gewerbeflächen." Foto: berns

Erik Lierenfeld Diese Energieformen darf man nicht gegeneinander ausspielen. Der Energiemix ist wichtig und notwendig um die Klimaziele zu erreichen. In unserer Region ist die Braunkohle ein wichtiger Wirtschaftszweig. Damit die Energiegewinnung aus Braunkohle weiterhin Zukunft hat, muss die Effizienz der Kraftwerke weiter steigen und die Emissionen müssen weiter verringert werden. Kurz gesagt, die Grundlast für die Stromerzeugung leisten bis auf weiteres Braunkohle oder moderne Gaskraftwerke, vor allem Verbrauchsspitzen lassen sich durch Wind- und Wasserkraft abfedern.

Foto: Archiv/Reuter

Rainer Thiel Wieso oder, wir brauchen beides. Vor allem nach dem Atomausstieg. Moderne, effiziente und flexible Kraftwerke, die passen zu den Erneuerbaren Energien und garantieren eine sichere Stromversorgung, die auch bezahlbar ist. Ich setze auf Windkraftkonzentrationszonen im Tagebau. Das entlastet unsere Städte und Gemeinden. Energiesparen, Energieeffizienz und intelligente Netze sind weitere Themen. Das schafft auch Arbeitsplätze, die wir brauchen.

Foto: Reuter, Michael

Der von Köln ausgehende Schienenverkehr entwickelt sich immer mehr zum Engpass auch in Dormagen, Rommerskirchen und Grevenbroich. Was gibt es zu tun?

Lierenfeld In Ballungsräumen ist es notwendig, dass die ländlicheren Gebiete gut an den ÖPNV angeschlossen sind. Für Rommerskirchen und Grevenbroich heißt dies, auch zu späteren Zeiten Fahrten in die Großstädte zu ermöglichen und die Taktung der Bahnen in den Stoßzeiten der Pendler zu erhöhen, die RB 38 muss also mittelfristig S-Bahn-Linie werden. Gute Beförderungsmöglichkeiten — dazu gehören auch Pünktlichkeit und Komfort — sind wichtige Standortfaktoren.

Thiel Der Verkehr wird sich verdoppeln, so die Prognosen. Wir brauchen mehr Schienenverkehr. Die RB 38 muss als S-Bahn ausgebaut werden, durchgehend bis Düsseldorf. Die Strecke Köln—Mönchengladbach über Rommerskirchen und Grevenbroich sollte auch als S-Bahn ausgebaut werden. Grevenbroich könnte S-Bahn-Knotenpunkt werden. Eine große Chance für unsere Region. Eine weitere Regiobahn von Düsseldorf nach Köln über Dormagen ist im Gespräch. Für den Güterverkehr brauchen wir den Eisernen Rhein.

Viele Kommunen klagen darüber, dass sie nicht genügend Flächen für die Ansiedlung von Unternehmen haben. Was kann das Land tun, damit die Städte und Gemeinden wettbewerbsfähig bleiben?

Lierenfeld Das Land muss klare Regeln zur Eindämmung des Flächenverbrauchs aufstellen (Thema: Zersiedelung oder Kiesabbau) und die Möglichkeit schaffen Flächenrecycling durchzuführen, also Brachflächen neu zu nutzen. Das schaffen die Städte alleine nicht — da müssen Förderprogramme her.

Thiel Wir benötigen dringend geeignete Gewerbeflächen. Ich bin aber ein Gegner des " Kohnacker" als Gewerbegebiet. Der Silbersee ist dagegen hervorragend geeignet mit seiner Nähe zur Bahn, Autobahn und Hafenanbindung. Grevenbroich braucht auch neue Gewerbeflächen, zum Beispiel interkommunal mit Rommerskirchen und Jüchen, das sind gute Kriterien für eine Genehmigung. Dafür setze ich mich im Regionalrat in Düsseldorf ein. Und das werde ich auch im NRW-Landtag tun.

Ein großes Problem der Kommunen auch im Kreis Neuss ist der demografische Wandel. Wie kann es gelingen, diesen Trend zu stoppen oder sogar umzukehren?

Lierenfeld Diesen Wandel können wir nicht stoppen. Die Kinder, die vor 20 Jahren nicht geboren wurden, können nun auch keine Kinder kriegen! Wir müssen uns für mehr Kinder einsetzen. Dafür müssen wir im Land die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, wie wir es mit dem Dormagener Modell getan haben. Die Politik muss Familien finanziell entlasten, damit sich junge Paare Nachwuchs leisten können.

Thiel Die Menschen werden älter, das ist gut so, das sollte man nicht stoppen. Es fehlen Kinder. Darum müssen wir jungen Familien noch mehr helfen, z. B. mit guter Kinderbetreuung, guter Bildung und familienfreundlicher Arbeit. Wir müssen auch attraktiv für junge Familien aus Köln oder Düsseldorf sein, dort gibt es mehr Nachfrage als Platz. Auch darum brauchen wir gute Bahnanbindungen.

Das Duell der SPD-Landtagskandidaten ist auch ein Duell der Generationen. Wo liegen Ihrer Ansicht nach Ihre Stärken im Vergleich zu Ihrem Kontrahenten?

Lierenfeld Es ist gut, dass die SPD die Möglichkeit hat, zwei gute Kandidaten ins Feld zu führen. Ich bin nah am Menschen und komme tagtäglich mit allen Generationen aus allen Gesellschaftsschichten zusammen. Ob bei der Goldhochzeit, im Schützen- oder Karnevalszelt oder beruflich im Jobcenter. In vielen Gesprächen erfahre ich, wo wirklich der Schuh drückt und wo meine Hilfe einsetzen kann.

Thiel Gute Politik ist doch keine Generationenfrage, dazu gehört Kompetenz und Erfahrung. Und man muss wissen, was man will und wie es geht. Politik mit und für die Menschen unserer Region, dafür möchte ich meine Erfahrung in der Regionalpolitik, im Braunkohleauschuss in Köln, im Regionalrat in Düsseldorf und als Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion einbringen. Dafür habe ich noch jede Menge Ideen und Energie, darauf freue ich mich.

Wiljo Piel und Jens Krüger stellten die Fragen.

(NGZ)