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Tanja Brandt aus Grevenbroich: Sprech-Stunde mit der Eulenflüsterin

Tanja Brandt aus Grevenbroich : Sprech-Stunde mit der Eulenflüsterin

Foto-Star Stephan Wiesner plaudert mit der Grevenbroicherin Tanja Brandt – über Eulen, Hunde und Fotoapparate.

Frappierend an Tanja Brandt ist einerseits ihre Globalität. Menschen auf der ganzen Welt lieben die Tierbilder der Eulenflüsterin. Steinkauz, Schneeeule und Schäferhund Ingo sind vielgeklickte Stars, Kalendermotive, Buchinspiratoren. Andererseits steht Tanja Brandt trotz allem mit beiden Wanderschuhen fest auf dem Boden. Null abgehoben. Keine Allüren.

 Wenn einer ihrer Fans fragt, dann hat sie schon oft so geantwortet: „Wohnst Du weit weg?“ Und schon saß Tanja Brandt im Auto, um vor Ort den Betreffenden zu besseren Fotos zu verhelfen. Wer mehr über eine der wichtigsten Botschafterinnen Grevenbroichs erfahren möchte, hat dazu nun die Gelegenheit. Eine Stunde lang unterhielt sich Tanja Brandt mit Stephan Wiesner, einem der meistgeklickten Foto-YouTuber in Deutschland. Das faszinierende Podcast steht im Netz (stephanwiesner.libsyn.com). Titel: Traumberuf Tierfotograf.

Genau hinhören, scharf hinschauen. Und nüchtern, manchmal lakonisch kommentieren, wie es wirklich ist. So nähert sich Tanja Brandt ihren Tieren. „Eulen sind nicht besonders schlau“, sagt die Fotografin mit einem Faible für Käuze und Co. Und Schäferhund Ingo war mal „ein ziemlich mürrischer Eigenbrötler“. Bis er Eulen kennenlernte und seither ihr Beschützer und Begleiter ist. „Ingo hat dadurch seine Aufgabe gefunden und das hat ihn weitergebracht“, sagt Tanja Brandt.

„Eben das ist das Faszinierende an Tanja – wie sie die Tiere vermenschlicht“, überlegt Stephan Wiesner. Der gelernte Programmierer und heutige Fotograf, Filmer, Podcaster, YouTuber und Verleger sagt, er sei auf die Tierfotografin bei Instagram aufmerksam geworden. „Tanja macht außergewöhnliche Bilder – technisch, aber auch von den Motiven her.“ Auf der Fachmesse photokina in Köln lernten sich Wiesner und Brandt kennen. „Da haben wir uns gesagt, dass wir mal etwas zusammen machen müssen“, erinnert sich Wiesner.

Als er im November 2019 neben seinem Blog, seinem Magazin, seinen Tutorials auf YouTube auch noch eine Podcast-Reihe startete, konnte dieser Wunsch in die Tat umgesetzt werden. Das knapp einstündige Gespräch ist gleichermaßen spannend für Tierfreunde und Fotofans. Erstere erfahren von Tanja Brandt, wie das so ist, wenn Frau mit einem Turmfalken und zwei Waldkäuzen unter einer Bettdecke steckt. Nicht aus zweifelhaftem Kuschelbedürfnis, sondern weil die Tiere schlicht unterkühlt waren. Und wie Tanja Brandt zunächst unsicher war, wie Schäferhund und Schneeeule einander verstehen würden.

Auf der anderen Seite lässt sich viel übers Fotografieren aus dem Gespräch lernen. „Anfangs mochte niemand meine Bilder leiden“, sagt Tanja Brandt lakonisch. Da sie aus Spaß fotografiere, habe sie sich aber davon nicht entmutigen lassen. „Und wenn niemand mehr meine Bilder anschaut, würde ich trotzdem fotografieren.“ Mittlerweile kann sie von ihren Büchern und Kalendern leben. Bezahlte Foto-Shootings, etwa mit den Hunden von Kunden, mag sie nicht besonders: „Das setzt mich unter Druck.“ Meist hätten die Auftraggeber feste Vorstellungen.

Selbst wenn es komplett technisch wird, können Nicht-Foto-Freaks gut zuhören. Zum Beispiel wenn Wiesner nach dem zu langsamen Autofokus eines der neusten Top-Kameramodelle fragt. Da sieht man Tanja Brandt im Gespräch förmlich mit den Schultern zucken: „Da ich meist weiß, was als nächstes zwishen Schäferhund und Eule passiert, hatte ich bisher kein Problem damit.“ Es kommt auf das Motiv an.