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Grevenbroich: Tagesmütter gegen Betreuungsengpass

Grevenbroich : Tagesmütter gegen Betreuungsengpass

Nadine Ueberberg-Westenberger und Rolande Noubissi sind neue Tagesmütter. Insgesamt gibt es 39 in Grevenbroich.

Kindergartenplätze verzweifelt gesucht - nach wie vor ist die Stadt bei der Betreuung der Jüngsten in Schieflage. Ausgebaut werden Kitas, ebenso wie das Team des sogenannten Tagespflegepersonals aufgestockt wird. Zum 1. September wird jetzt eine Versorgungslücke in Hemmerden geschlossen, "Ich freue mich auf die neue Kollegin", sagt Marion Schmitz, bislang einzige Tagesmutter im Quartier über die Neue. Sie heißt Nadine Ueberberg-Westenberger und richtet in der Einrichtung "Hemmerder Pänz" fünf Vollzeitplätze ein.

Rolande Noubissi ist eine mehrsprachige Tagesmutter. Foto: Von

Die 40-Jährige ist selbst Mutter einer zehnjährigen Tochter und seit 20 Jahren anerkannte Erzieherin. Einen ihrer Schwerpunkte legt die erprobte Tagesmutter - bislang war sie in Wermelskirchen im Bergischen Land tätig - mit der Zusatzausbildung Psychomotorik auf Bewegung. "Bei Wind und Wetter geht es raus", sagt sie. "Garten und Hof an der Einrichtung werden extra für uns umgestaltet". Himbeersträucher, die bislang in Wermelskirchen Früchte trugen, sollen angepflanzt werden und drumherum gebe es Raum für kleine Erkundungen und großes Toben. Als "Glücksfall" und "Zugewinn" beschreibt Elisabeth Ridder vom Fachbereich Jugend sie auch wegen der verschiedenen Kreativ-Ideen, die die Neu-Grevenbroicherin mitbringt, wovon das "tägliche gemeinsame Kochen" eine ist. Jenseits der für alle Tagespflegepersonen verpflichtenden Dokumentation über Entwicklungsschritte des ihnen anvertrauten Nachwuchses gestaltet sie mit den Kleinen individuelle Alben. "Gemalte und gebastelte Sachen finden darin ihren Platz", Bilder von besonderen Ereignissen ebenso wie der selbst gestaltete Fußgängerpass. Auf die "Erziehungspartnerschaft mit den Eltern" freut sie sich. "Ein enges Verhältnis als Vertrauensbasis sind notwendig."

Insgesamt 39 Tagesmütter gibt es in der Stadt. Ein Schwerpunkt liegt mit elf von ihnen in Kapellen, in der Stadtmitte sind es derzeit acht, Gindorf, Neuenhausen oder Allrath haben bislang keine. Und in Gustorf wird im Juni voraussichtlich die erste Tagespflegestelle öffnen. "Wir suchen weiter qualifiziertes Personal", sagt Elisabeth Ridder. Auskünfte erteilt sie telefonisch unter der Nummer 02181 608667.

So wie Rolande Noubissi eine anerkannte Tagesmutter ist, die sich zurzeit um vier Kinder kümmert: Arian, Josha, Marie und Sophia heißen sie. Und wenn im weitläufigen Garten am Karl-Gördeler-Weg auf dem Trampolin gehopst oder mit Fußbällen auf Tore geschossen wird, mischt Rolande Noubissi nicht bloß in deutscher Sprache mit - die studierte Diplom-Betriebswirtschaftlerin aus dem Kamerun spricht ebenso Englisch und Französisch mit den Kleinen. "Sophia ist auch aus diesem Grund hier, um zweisprachig betreut zu werden", weiß sie über einen ihrer Schützlinge. "Die anderen lernen passiv mit."

Dabei geht es "nicht nur um kognitive Fähigkeiten", führt die Akademikerin aus. "So lernen die Kinder, dass es andere Sprachen außer Deutsch gibt" und ebenso, wie es unterschiedliche Sprachen gibt, "gibt es unterschiedliche Menschen". Letztlich würden also nicht bloß Vokabeln, sondern auch soziale Kompetenzen vermittelt.

(von)