Grevenbroich: Tagebau betreibt jetzt auch Werkstätten

Grevenbroich: Tagebau betreibt jetzt auch Werkstätten

Markus Kosma hat in seinen ersten 100 Tagen als Chef des Tagebaus Garzweiler neue Aufgaben hinzu bekommen. Neben Kohleförderung und Bahnbetrieb gehören jetzt auch die RWE-Werkstätten im Revier in seine Verantwortung.

Die ersten 100 Amtstage liegen bereits hinter ihm. Und Markus Kosma ist zufrieden, er hat sich gut in seinem Job als Chef des 1900 Mitarbeiter zählenden Tagebaus Garzweiler eingelebt. Obwohl er zuvor schon fünf Jahre eng an der Seite seines Vorgängers Lutz Kunde gearbeitet hat, gibt er zu: "Ich habe in den vergangenen Monaten Facetten kennen gelernt, die ich in dieser Tiefe noch nicht erlebt habe."

Die Förderung von Braunkohle ist eine Aufgabe, die der 47-Jährige in verantwortlicher Position leitet. Die revierweite Sicherstellung des Eisenbahnbetriebs eine andere. Zum Jahresbeginn kam eine zusätzliche Herausforderung hinzu: Der Tagebau Garzweiler ist jetzt auch Technikzentrum für alle RWE-Werkstätten im Rheinischen Revier. Dazu zählen die Hauptwerkstatt in Gref-rath sowie alle Standortwerkstätten in den Tagebauen. "Dahinter verbirgt sich eine enorme Logistik", sagt Markus Kosma. Denn sämtliche instandgesetzten Teile - etwa schwere Baggergetriebe - müssen termingerecht wieder vor Ort sein.

In den Werkstätten sind rund 520 Mitarbeiter tätig, der Eisenbahnbetrieb hat 560 Beschäftigte. Im Tagebau selbst arbeiten nur noch knapp 800 Bergleute. "Wir werden kleiner und gehen mit der Förderleistung zurück - mittelfristig um 15 Prozent", sagt Kosma. Personal werde - "natürlich sozialverträglich" - abgebaut, gleichzeitig stehe der Tagebau aber auch vor der Herausforderung, neue Mitarbeiter zu rekrutieren - mit Blick auf einen noch 30-jährigen Betrieb. "Wir bilden daher weiter am Standort aus", sagt der Bergbauingenieur.

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Obwohl der Tagebau immer weiter nach Westen wandert, bleibt dessen Zentrale auf Sicht an der Erftstraße in Frimmersdorf erhalten. "In acht bis zehn Jahren werden wir den Bandsammelpunkt noch einmal verlegen. Ob in diesem Zusammenhang auch Verwaltungsbereiche angefasst werden, wird sich zeigen", sagt Kosma. Nach der Fertigstellung der neuen Trasse der Autobahn 44 quer durch den Tagebau konzentriere sich RWE Power zurzeit auf die Verfüllung des sogenannten östlichen Restlochs auf Grevenbroicher und Jüchener Gebiet. Bis Mitte 2020 soll das etwa 970 Hektar große, ausgekohlte Areal wieder gefüllt sein. Dann beginnt die Rekultivierungsarbeit.

"Unsere Daueraufgabe wird der Nachbarschaftsschutz bleiben", betont der Tagebauchef. Emissionen wie Lärm, Staub und Feinstaub seien im vergangenen Jahrzehnt deutlich reduziert worden. So wurden an der Gindorfer Messstation 2017 insgesamt 17 von 35 zulässigen Feinstaub-Überschreitungstagen registriert worden, an der Jackerather Station waren es sieben. "Wir wollen die Belastung so gering wie möglich halten", sagt der Bergbauingenieur, schränkt aber ein: "Die größte Belastung ertragen die Umsiedler."

Wie sein Vorgänger will auch Markus Kosma einen engen Kontakt zur Nachbarschaft pflegen - also zu Kommunen, Behörden und Politikern. Und auch zu den Vereinen, denen auch die eine oder andere Hilfeleistung zuteil werden soll. Und: "Wir wissen, dass der Tagebau einen großen Eingriff in die Region bedeutet", betont Markus Kosma. Er wolle sich aber "nicht wegducken, sondern auch kritischen Diskussionen stellen".

(NGZ)