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Grevenbroich: Südstädter fordern Tunnel-Sanierung

Grevenbroich : Südstädter fordern Tunnel-Sanierung

Der Unmut vieler Südstädter ist groß: Der Landrat hat der Sanierung der Unterführung Zedernstraße nicht zugestimmt, die Stadt sieht keine Chance auf Realisierung. Bürger klagen über steile Rampen, Gestank und sogar Verletzungsgefahr.

Steil hinab führt die Treppe ins Dunkel. Betonstufen bröckeln, bilden Stolperfallen. Oft stinkt es im Durchgang — manche nennen ihn den "Pippi-Tunnel". Der Gang durch die Bahnunterführung Zedernstraße — eine wichtige Verbindung in die Südstadt mit 5500 Einwohnern — ist aus vielen Gründen eine Zumutung. Daran wird sich wohl erst mal nichts ändern, nachdem Landrat Hans-Jürgen Petrauschke der von der Stadt geplanten Investition für die Erneuerung nicht zugestimmt hat. "Der Landrat sollte selbst hierdurch gehen. Dass der Tunnel nach so vielen Jahren der Planung immer noch nicht saniert wird, ist schlimm", sagt Bettina Wachtmeister, die den Tunnel nutzt.

Von Kindern bis zu Senioren beklagen etliche Südstädter und Grevenbroicher die Zustände und fordern Abhilfe. Die Pläne für den Umbau — mit 60 Meter langen Rampen — liegen im Rathaus in der Schublade. 350 000 Euro hätte die Kommune selbst aufbringen müssen, Bürgermeisterin Ursula Kwasny warb beim Kreis für das Projekt. Doch bei der Finanzaufsicht hieß es, dass die Stadt unter Nothaushaltsrecht stehe — es gebe keine zwingende Notwendigkeit für das Vorhaben.

Betroffene sehen das anders. "Der Unmut ist groß, viele schimpfen über den Tunnel", sagt Iris Wigmann, die neben dem Zugang wohnt. Auch Artur Kulbe, der Südstädter ist Vizevorsitzender der Senioren-Union, meint: "Die Sanierung muss kommen. Die Unterführung ist eine wichtige Verbindung zur City — zum Friedhof, zu Schulen und Bushaltestellen."

Von leidvollen Erfahrungen können viele berichten. Etwa Marga Effertz: "Mit meinem Rollator komme ich die Treppe nicht hoch. Ich muss den Umweg über Wöhlerstraße und Auf der Schanze nehmen", schildert die 78-Jährige. Auch Kinder haben Probleme: Der acht Jahre alte Till ist samt Fahrrad auf der Treppe gestürzt. "Zum Glück trug ich einen Helm, doch eine Rad-Felge war verbogen." Ein Hindernis bildet die steile Treppe auch für Jennifer Noack. Sie muss jeden Tag mit ihrer elf Monate alten Tochter durch die Unterführung, wuchtet ihren Kinderwagen von Stufe zu Stufe. "Bei meinem letzten Wagen ist die Achse gebrochen." Häufig benutzt wird der Tunnel von Schülern. "Wir haben einmal morgens in anderthalb Stunden über 100 Schüler gezählt", sagt Barbara Schündeln von der Schulpflegschaft der Grundschule St. Josef. Auch Kinder von Klaus Wiegmann nehmen den Weg. "Wohl ist mir dabei nicht", so der Vater. Auch Scherben nach Alkohol-Gelagen ärgern die Passanten. Artur Kulbe weist zudem angesichts der bröckelnden Stufen auf die Verkehrssicherungspflicht der Stadt hin. "Seit Jahren wird geplant, aber nicht gebaut. Wir fühlen uns allein gelassen", sagt Iris Wiegmann.

Im Rathaus ist keine Lösung in Sicht: "Wir bedauern die Ablehnung des Landrates. Derzeit sehen wir keine Möglichkeit, das Projekt zu verwirklichen", erklärt Stadtsprecher Andreas Sterken. Wie geht's weiter? "Wir haben schon überlegt, eine Tafel aufzustellen, auf der Passanten notieren können, wenn sie etwa gestürzt sind — damit deutlich wird, was hier passiert", sagt Klaus Wiegmann.

(NGZ/ac)