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Grevenbroich: Studenten sollen ins Finanzamt ziehen

Grevenbroich : Studenten sollen ins Finanzamt ziehen

Die Stadt soll prüfen, ob sich das leerstehende Finanzamt an der Erckensstraße als Studentenwohnheim eignet. Das schlägt die SPD vor.

Das leerstehende Finanzamtsgebäude an der Erckensstraße ist ein städtebaulicher Problemfall. Investoren ließen sich bislang nicht finden, dabei befindet sich das Gebäude in zentraler Innenstadtlage. Gerade mit Blick auf die geplante Aufwertung der Innenstadt wäre eine neue Nutzung des seit mehr als einem Jahr verrammelten Bürohauses dringend erforderlich. Ein neuer Vorstoß kommt jetzt von SPD-Fraktionsvize Holger Holzgräber. In der jüngsten Ratssitzung stellte er die Anfrage, ob sich der 60er-Jahre-Bau mit seinen vier Etagen nicht als Studentenwohnheim nutzen lasse.

Hintergrund ist der gravierende Mangel an Studentenwohnungen. Bundesbauminister Peter Ramsauer beziffert die Zahl der fehlenden Unterkünfte auf deutschlandweit 70 000. Auch in den Uni-Städten Köln und Düsseldorf sind Studentenwohnungen Mangelware — oder für viele junge Menschen zu teuer. Holzgräber sieht durch die Nähe Grevenbroichs insbesondere zur Großstadt-Universität Köln eine Chance für Grevenbroich. "Dank der guten Zuganbindung könnte unsere Stadt für Studenten als Wohnort interessant sein", meint Holzgräber.

Auch in Neuss gibt es ähnliche Überlegungen. Dort hatten sich CDU und FDP dafür ausgesprochen, entsprechenden Wohnraum für Studenten zu schaffen. Das Thema stand in der Nachbarstadt bereits auf der Agenda des Planungsausschusses — per Dringlichkeitsantrag. Denn die rot-grüne Landesregierung plant, die Fördermittel für Studentenwohnungen zu verstärken. Statt bisher 30 Millionen sollen künftig jedes Jahr 50 Millionen Euro dafür ausgegeben werden. Durch Neubau oder Sanierung sollen jährlich 750 Wohnungen geschaffen werden. Die Zeit drängt: Wegen des doppelten Abiturjahrgangs 2013 dürfte der Wohnungsmangel für Studenten weiter zunehmen.

Die Verwaltung soll nun prüfen, ob Holzgräbers Vorstoß umsetzbar ist. Eigentümer des ehemaligen Finanzamtsgebäude an der Erckensstraße ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes NRW. Der BLB versucht seit mehr als einem Jahr, einen Käufer für das zwischen Innenstadt und Bahnhof gelegene Bürohaus mit 3160 Quadratmetern Nutzfläche zu finden. Der Preis: 1,62 Millionen Euro. Eine mögliche Nutzung als Studentenwohnheim ist bei der Behörde bislang kein Thema. Das erklärte BLB-Sprecher Thomas Tintelot auf NGZ-Anfrage: "Unser Ziel ist es, einen Investor zu finden und das Gebäude zu verkaufen."

Die "Stellwerk Initiative", die sich für eine Aufwertung des Bahnhofsquartiers einsetzt, würde eine Nutzung durch Studenten begrüßen. Stellwerk-Vorsitzender Fred Leven findet den Vorstoß grundsätzlich gut: "Mehr junge Leute würden unserem Viertel sicher gut tun."

(NGZ)