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Strukturwandelprojekte für Grevenbroich und Jüchen

Strukturwandel im Rheinischen Revier : Die Region rüstet sich für den Strukturwandel

Grevenbroich wartet noch auf Antworten, wie das Gelände des Kraftwerks Frimmersdorf künftig genutzt werden soll.

Nur langsam geht es voran mit den möglichen Strukturwandelprojekten für Grevenbroich und Jüchen. Der Jüchener Stadtrat hat jetzt eine städtebauliche Vereinbarung und den Flächennutzungsplan für das geplante gemeinsame Gewerbegebiet Elsbachtal beschlossen. Der Stadtrat in Grevenbroich verfuhr ebenso. Für Jüchen ist dieses Gewerbegebiet momentan das einzige Gelände, wo aktuell noch Stadtentwicklung stattfinden könnte. Denn die Verfüllung des Tagebaurestloches zieht sich weiter hin, so dass Jüchen immer noch einen akuten Mangel an Grundstücken für Wohnbau und Gewerbe zu beklagen hat.

Zudem hat sich der Vertragsabschluss, den RWE als Eigentümer des Grundstückes mit der Duisport AG für eine Entwicklungsgesellschaft abschließen will, weiterhin verzögert. Nach Auskunft von RWE-Sprecher Olaf Winter konnte der Vertrag bis zum Ende des alten Jahres nicht mehr geschlossen werden, obwohl nach der Kartellprüfung auch die Genehmigungen der entsprechenden kommunalen Aufsichtsbehörden bereits vorlagen.

Weiterhin unklar ist laut Winter auch die Frage, ob RWE das geplante Salzspeicherkraftwerk, das sogenannte Store-To-Power-Projekt, an das bestehende Kraftwerk in Neurath oder an Niederaußem anschließen wird. Klare Vorstellungen gibt es aber bei RWE, wie das Salzspeicherkaftwerk aussehen und funktionieren soll. Entstehen soll ein Wärmespeicher auf Flüssigsalzbasis, wofür auch die Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium erwartet wird. Denn die Umrüstung von Braunkohle- zu Wärmespeicher-Kraftwerken wäre ein Pilotprojekt im Rheinischen Revier, das möglicherweise Schule machen kann.

Noch sind die Blöcke P und Q des Kraftwerks in der Sicherheitsbereitschaft. Im Herbst 2021 werden sie komplett vom Netz genommen. Foto: Zukunftsagentur Rheinisches Revier

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Fachhochschule Aachen haben es auf die Liste der insgesamt 20 Projekte des Bundeswirtschaftsministeriums geschafft, die im Rahmen des Ideen-Wettbewerbs „Reallabore der Energiewende“ Fördermittel beantragen dürfen. Für den Ideen-Wettbewerb stehen bis 2022 jährlich Fördermittel in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzlich soll es rund 200 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz geben. Für die vorlaufenden Planungsarbeiten zur ersten Anlage – sei es in Neurath oder in  Niederaußem – sind bereits 2,9 Millionen Euro bereitgestellt worden.

Noch keine Weiterentwicklung gibt es zum RWE-Projekt „Fritz“, in der Frage, wie das bereits stillgelegte Kraftwerk Frimmersdorf sinnvoll weiter genutzt werden kann. Olaf Winter sagt dazu: „Wir sind nach wie vor beschäftigt mit der Ist-Aufnahme der Situation bezüglich der Bausubstanz.“ RWE wird bekanntlich in Frimmersdorf mit Beendigung der Sicherheitsbereitschaft die letzten Blöcke (P und Q) zum 30. September 2021 außer Betrieb nehmen. Für Frimmersdorf wird laut RWE gemeinsam mit der Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR), dem Rhein-Kreis Neuss und mit der Stadt Grevenbroich ein Nachnutzungskonzept für die freiwerdenden Kraftwerksflächen entwickelt. Dieses Konzept soll auch Überlegungen für benachbarte Flächen, die RWE mittel- und langfristig nicht mehr betrieblich benötigt, gelten. Für den Regionalplan Köln sind nach RWE-Informationen die künftigen Flächen zusammengefasst.

 Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier hat jüngst ihr Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 an NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart für die Landesregierung übergeben. Und der Rhein-Kreis Neuss hat bekanntlich ein Strategiepapier zur Gestaltung des Strukturwandels als Förderantrag zum Strukturstärkungsgesetz durch den Kreistag verabschiedet.

Diese Leitstrategie soll die Umsetzung der Pariser Klimaschutzziele, aktuelle Handlungsfelder mit Strukturwandel, Klimaschutz und Klimawandelvorsorge sowie den Erhalt und die Schaffung neuer zukunftssicherer Arbeitsplätze mit dem dafür erforderlichen Wohnraum enthalten. Und weiterhin bilden sich neue Gremien, die den Strukturwandel gestalten und mit ihren Projektideen Fördermittel akquirieren wollen.

Nach ZRR, Rheinischem Sixpack, Zweckverband Tagebaufolgelandschaften und Bündnis für Strukturwandel hat sich in der Nachbarstadt Mönchengladbach jetzt auch noch der Verein Wissenscampus gegründet. Die Initiative soll anknüpfen an den dortigen Masterplan-Verein 3.0. Der neue Verein soll Wissenschaft, Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft besser vernetzen.