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Grevenbroich: Streusalz für 3,5 Millionen Euro gelagert

Grevenbroich : Streusalz für 3,5 Millionen Euro gelagert

Salz, so weit das Auge blickt: In einer Halle im Industriegebiet Ost lagert ein Teil der nationalen Streusalzreserve. Sogar aus Chile wurde das Streugut angeliefert. Die Berge kommen nur bei Engpässen in strengen Wintern zum Einsatz.

Der Winter ist da: Eine sieben Meter hohe, weiße Wand türmt sich hinter dem Tor auf, das Ludwig Niebrügge geöffnet hat — als sei eine gewaltige Schneelawine durch die 35 Meter lange Halle gedonnert. Doch was wie Schnee aussieht, sind in Wahrheit 38 000 Tonnen Salz: In der Halle an der Benzstraße im Industriegebiet Ost lagert ein beträchtlicher Teil der Nationalen Streusalzreserve für den Notfall. "Hier liegt Streugut für rund 3,5 Millionen Euro," sagt Ludwig Niebrügge, beim Landesbetrieb Straßen NRW für die Organisation des Winterdienstes zuständig.

Autofahrern sind die Winter 2009/2010 und 2010/11 noch gut in Erinnerung: Eis und Schnee hatten seinerzeit den Verkehr über Wochen fest im Griff. Der Salznachschub versiegte fast, viele Straßen wurden gar nicht mehr gestreut. "Es war eine Mangelverwaltung. An einem Tag mit Eis und Schnee benötigen wir für Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen rund 6000 Tonnen Salz, zeitweise bekamen wir aber nur 1500 Tonnen. So etwas möchte ich nicht noch einmal erleben", blickt Niebrügge zurück.

Bund und Länder reagierten 2011: In Sachsen-Anhalt (40 000 Tonnen) und Nordrhein-Westfalen (60 000 Tonnen) wurde die Nationale Streusalzreserve angelegt. Zusätzlich zu den Lagern in Saerbeck und Grevenbroich schuf Straßen NRW in Rheinberg eine Landesreserve mit 40 000 Tonnen.. "Wir sind für harte Winter gut gerüstet", sagt Niebrügge. Insgesamt 220 000 Tonnen Salz hat Straßen NRW gebunkert.

Das in Grevenbroich gelagerte Salz kommt von weither. "Das fast weiße Material stammt aus Chile, die etwas dunkleren Berge sind Salz aus Marokko", erklärt Ludwig Niebrügge. Das Salz aus fernen Ländern erfülle die Anforderungen an Streugut — Körnung, Feuchte und Rieselfähigkeit müssen etwa stimmen. Viel Arbeit machen die Salzberge nicht. In regelmäßigen Abständen kommt ein Mitarbeiter vorbei, sieht nach dem rechten. "Dem Streusalz wurde ein Anti-Backmittel beigefügt, damit es nicht zusammenklebt", erläutert Niebrügge.

Ausgerechnet der erste Winter nach Bildung der Notreserve war ausgesprochen mild — Straßen NRW benötigte nur die Hälfte des Streugutes in einer durchschnittlichen Wintersaison. Wenn aber künftig das Streugut knapp wird, dann öffnet der Landesbetrieb das Lager im Industriegebiet Ost, rollen Lastwagen mit dem "weißen Gold" zu Meistereien. 28 000 Tonnen der nationalen Reserve sind zudem für die Nachbarländer Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz vorgesehen.

Und was hat Grevenbroich von den bis zu acht Meter hohen Bergen, schließlich war auch hier 2010/11 Streusalz Mangelware? In Grevenbroich lagert auch Salz für kommunale Straßen: "Die Stadt hat sich mit 400 Tonnen an der Landesreserve beteiligt", sagt Stadtsprecher Andreas Sterken.

(NGZ/rl)