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Dormagen: Streit um Kosten gefährdet Klassenfahrten

Dormagen : Streit um Kosten gefährdet Klassenfahrten

Grevenbroicher Schüler müssen womöglich auf Klassenfahrten verzichten. Weil Lehrer nicht mehr für eigene Kosten aufkommen dürfen, warten die Schulen auf eine Neuregelung durch das Land.

Der Englisch-Leistungskurs des Pascal-Gymnasiums fährt im Herbst nach London, die Neuntklässler wollen ins Zillertal zum Skifahren und die Fünftklässler in die Jugendherbergen der Region. Alljährliche Rituale, die an allen anderen weiterführenden Schulen in Grevenbroich ihre Entsprechung finden. Doch nicht nur in Grevenbroich stehen die Klassenfahrten in ihrer gewohnten Form vor dem Aus. Hintergrund sind Grundsatzurteile des Bundesarbeitsgerichtes und des Oberverwaltungsgerichtes Münster: Demnach dürfen Lehrer nicht mehr für ihre Kosten bei Klassenfahrten aufkommen. Das Land muss zahlen. Eine jüngst erfolgte Dienstanweisung des Kultusministeriums macht allerdings deutlich, dass die nötigen Mittel dafür derzeit nicht bereit stehen.

"Wir wissen nicht, inwiefern wir im kommenden Jahr noch Klassenfahrten durchführen können", sagt Manfred Schauf, Schulleiter am Pascal-Gymnasium. Bisher bekam die Schule aus dem rund sechs Millionen Euro schweren Fördertopf des Landes einen Zuschuss zu den Klassenfahrten — "in der Regel etwa 2000 Euro pro Jahr", so Schauf. Die Lehrer erklärten vor Beginn einer Schulfahrt ihren schriftlichen Verzicht auf volle Kostenerstattung und zahlten in der Regel aus eigener Tasche drauf. Nach massiver Kritik der Lehrerverbände und nach Klage eines Lehrers aus dem Sauerland wurde diese bundesweit gängige Praxis durch die Urteile gekippt — angestellte und verbeamtete Lehrer haben wie andere Arbeitnehmer auch ein Recht auf volle Kostenerstattung bei Dienstreisen.

Die Urteile stammen aus Oktober beziehungsweise November 2012, alle nachträglich durch Schulleiter bewilligten Klassenfahrten fallen also bereits unter die Neuregelung. In Düsseldorf stapelten sich die Anträge — am 24. Januar reagierte Schulministerin Sylvia Löhrman (Grüne). Per interner Dienstanweisung untersagt das Ministerium den Schulen, das bisherige Budget zu überschreiten.

Bei durchschnittlichen Kosten von rund 200 bis 400 Euro pro Lehrkraft und Klassenfahrt lassen sich die Folgen am Beispiel des PascalGymnasiums leicht errechnen: "Wir haben rund 30 Lehrer bei allen Klassenfahrten im Einsatz", sagt Schauf. Immerhin seien alle Klassenfahrten für das laufende Jahr bereits vor dem 24. Januar bewilligt worden: "Andernfalls müssten wir bereits jetzt auf die meisten Fahrten verzichten." Denn selbst wenn der Lehrer bereit wäre, aus eigener Tasche für die Fahrt aufzukommen: "Ich darf es nicht bewilligen. Das Urteil spricht eine klare Sprache", erklärt Manfred Schauf.

Insbesondere für das soziale Klima am Pascal-Gymnasium seien die Klassenfahrten wichtig, meint der Schulleiter. "Wenn jetzt über den pädagogischen Nutzen gestritten wird und wir am Ende nur noch die Fünftklässler fahren lassen können, ist damit niemandem geholfen"; unterstreicht Schauf. Er appelliert an die Landesregierung, das Budget für Klassenfahrten dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Tatsächlich lässt Schulministerin Löhrmann derzeit die sogenannten "Wanderrichtlinien" überarbeiten, die den Zuschuss regeln. Als sicher gilt, dass der bisherige Haushaltsansatz von rund sechs Millionen Euro nicht zu halten sein wird. Berichte, nach denen eine sofortige Erhöhung um zwei Millionen Euro geplant sei, wies ein Ministeriumssprecher gegenüber unserer Zeitung zurück: "Wir müssen den pädagogischen Nutzen der Fahrten, die Haushaltslage des Landes und die Urteile unter einen Hut bringen. Für konkrete Zahlen ist es noch zu früh. Wir arbeiten allerdings mit Hochdruck an einer Lösung."

(NGZ/ac)