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Grevenbroich: Streit um den Radverkehr

Grevenbroich : Streit um den Radverkehr

Der Fahrrad-Club ADFC überlegt, aus dem Arbeitskreis Radverkehr auszusteigen. "Ich halte die Mitarbeit nicht mehr für sinnvoll", so Sprecher Heiko Fiegl. Anlass für den Streit ist der Beschluss für Tempo 70 auf dem Tribünenweg.

Die Wogen schlugen hoch nach der Sitzung des Bauausschusses. "Ich bin stinksauer. Wir wurden ignoriert, werden nicht ernst genommen. Für mich stelle ich die weitere Mitarbeit des AFC im Arbeitskreis Radverkehr in Frage", erklärt Heiko Fiegl vom Sprecherrat des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Grevenbroich. "In der lokalen Politik hat der Radverkehr nicht den Stellenwert, den er verdient. Wir werden in der Mitgliederversammlung im März diskutieren, ob wir die Mitarbeit im städtischen Arbeitskreis beenden", kündigte Fiegl an.

Der Stein des Anstoßes: Bei vier Gegenstimmen beschloss der Ausschuss auf Antrag der Aktiven Bürger, auf dem Tribünenweg in Wevelinghoven Tempo 70 einzuführen — mit Ausnahme des Bereichs in Höhe Brückenstraße. Verwaltung und Polizei sehen keine Probleme. Schon jetzt würden viele schneller als das erlaubte Tempo 50 fahren, heißt es in der Vorlage.

Rund zehn ADFC-Mitglieder verfolgten die Debatte und waren aufgebracht

Protest kommt vom ADFC: "Wir haben von dem Plan aus der NGZ erfahren. Das Thema hätte in den Arbeitskreis Radverkehr gehört", betont Heiko Fiegl. In dem Gremium kooperieren Verwaltung. Politik, Polizei und ADFC, um Bedingungen für Radler zu verbessern, Mängel zu beseitigen. Fiegl weiter: "Bei Tempo 70 auf dem Tribünenweg werden die Belange des Radverkehrs nicht berücksichtigt." Es gibt dort keinen Radweg, das Unfallrisiko für Radler dürfe nicht erhöht werden. "Wenn dort Tempo 70 erlaubt ist, fahren viele 90", gibt Detlef Abels vom ADFC zu bedenken.

Der Fahrrad-Club hatte eine Stellungnahme für den Ausschuss verfasst. Die Mehrheit dort sah die Situation aber anders. "Mit Tempo 70 entsprechen wir nur dem heutigen Fahrverhalten", meinte Hans-Georg Schiffer (SPD). Vorsitzender Wolfgang Latzel (CDU) verwies auf einen Parallelweg, den Radler nutzen könnten. "Der ist eine Stolperstrecke, für Radfahrer ungeeignet", entgegnete Dieter Dorok (Grüne), und Angelika Teske-Naumann (UWG) merkte an: "Ich würde bei Tempo 70 kein Kind mit dem Rad auf den Tribünenweg lassen."

Rund zehn ADFC-Mitglieder verfolgten die Debatte und waren aufgebracht. "Wir müssen überlegen, ob wir noch Zeit für den Arbeitskreis investieren. Der darf keine Pseudo-Veranstaltung sein", sagte Katharina Kosubek. Laut Fiegl wird in Grevenbroich weniger für Radler getan als etwa in Dormagen. Die Verwaltung sei bemüht, Bremser gebe es aber "in CDU und SPD". In monatelanger Arbeit hatte der ADFC eine Basis für den Arbeitskreis geschaffen: Mitglieder fuhren Radwege ab, fotografierten Mängel und stellten sie in einer Datenbank zusammen. "Unsere Verbesserungsvorschläge werden aber selten aufgegriffen", so Fiegl.

(NGZ)