Grevenbroich: Stipendium für Sprachentalent

Grevenbroich: Stipendium für Sprachentalent

Der 15-jährige Rohat Akcakaya besucht die zehnte Klasse des Erasmus-Gymnasiums und engagiert sich für seine Mitschüler. Nun hat er das sogenannte Start-Stipendium erhalten. Für Rohat Akcakaya ist das ein Ansporn.

Schon die Zahl verblüfft. Sechs Sprachen beherrscht Rohat Akcakaya, dabei ist er gerade mal 15 Jahre alt. "Deutsch, Türkisch, Französisch, Englisch, Gebärdensprache und Latein", zählt der Zehntklässler des Ersamus-Gymnasiums auf. In Latein ist er sogar ein richtiger Crack. Rohat Akcakaya gibt jüngeren Schülern Nachhilfe in der Sprache, die manch älterem Semester noch heute einen Schauder über den Rücken jagt. Vokabeln pauken und Grammatik? Für Rohat Akcakaya kein Problem. Auch weil er sich in der Schule stark engagiert, hat er nun das so genannte Start-Stipendium erhalten. "Für mich ist das ein Ansporn, mich weiter zu einzubringen", sagt er.

Das Stipendium ist ein gemeinsames Projekt der Start-Stiftung, des NRW-Schulministeriums sowie vielen weiteren Partnern. Vergeben wird es an Schüler mit Migrationshintergrund. Ziel ist es, sie auf ihrem Weg zum Abitur zu unterstützen und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken. Dazu erhalten sie Fortbildungsseminare, außerdem gibt es monatlich 100 Euro "Bildungsgeld" und eine PC-Grundausstattung samt Laptop und Erstattung der Internetkosten. In NRW haben in diesem Jahr 65 Jugendliche ein solches Stipendium erhalten. Viele davon hat Rohat Akcakaya bereits bei Seminaren kennengelernt. "Man trifft Leute, die so ähnlich denken, wie man selbst", sagt er. "Da fühlt man sich schnell wohl und gut aufgehoben."

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Um zu verstehen, wie Rohat Akcakaya denkt, hilft ein Blick auf seine Hobbys. Manchmal sagt eine Fußballposition viel über einen Menschen aus. Rohat Akcakaya spielt in der B-Jugend des 1\.FC Grevenbroich-Süd. Dort ist er ein zuverlässiger "Sechser". Im modernen Fußball ist das eine ebenso unauffällige wie zentrale Rolle. Der "Sechser" ist ein defensiver Mittelfeldspieler, und er ist die heimliche Schaltzentrale im Spiel. Er "liest", was auf dem Platz passiert, antizipiert. Die spektakulären Aktionen aber haben meist andere. Stattdessen bügelt er Fehler der Mitspieler aus, er ist ein Ballverteiler und für die Mannschaft da. Rohat Akcakaya ist so ein Typ. Einer, der sich für andere einsetzt. Auf dem Fußballplatz, als Latein-Nachhilfelehrer. Und auch sonst in der Schule.

Für die Fünftklässler am Erasmus-Gymnasium steht er als Mentor parat. Das soll ihnen die Eingewöhnung an der neuen Schule erleichtern. Bei Fragen ist Rohat Akcakaya Ansprechpartner. Außerdem ist er Mitglied der Schülerzeitung und Vertreter in der Schulkonferenz. Das Start-Stipendium hat er auch seinem Lehrer Michael Collel zu verdanken. "Er hat mich darauf aufmerksam gemacht", sagt Rohat Akcakaya. Sein Stipendium versteht er durchaus als Signal. "Es zeigt, dass jemand, der aus dem Ausland nach Deutschland kommt, hier etwas erreichen kann. Das verstehen viele nicht. Damit vertun sie leider eine große Chance."

(NGZ/ac)
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