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Grevenbroich: Stellwerke haben ausgedient

Grevenbroich : Stellwerke haben ausgedient

Sie sind Zeugen der Verkehrsgeschichte und markante Bauwerke, doch sie haben ausgedient: Den meisten alten Stellwerken an den Bahnhöfen droht der Abriss, das an der Rheydter Straße kaufte und sanierte ein Privatmann.

Grevenbroicher Autofahrern sind sie ein vertrautes Bild: Etwa an der Blumenstraße oder am Bahnhof in Gustorf haben sie die Stellwerke im Blick, wenn sie mehr oder weniger geduldig vor geschlossenen Schranken ausharren. Und viele können kaum die Stunden zählen, die sie vor dem Bau des Elsbachtunnels in den 90er Jahren an der Rheydter Straße am Stellwerk gewartet haben.

Noch stehen die steinernen Zeugen der Verkehrsgeschichte, doch sie haben ausgedient. Vor vier Jahren nahm das elektronische Stellwerk an der Blumenstraße die Arbeit auf, stellt Signale und Weichen auf Bahnstrecken etwa bis Holzheim, Erkelenz und Geilenkirchen. "Die meisten alten Stellwerksgebäude, die wir nicht mehr benötigen, werden abgerissen. Da sie zwischen oder sehr nah an den Gleisen liegen, ist ein Verkauf oft nicht möglich", erklärt Bahn-Sprecher Jürgen Kugelmann.

Für das Gebäude an der Rheydter Straße aber hat ein zweites Leben begonnen. Der Grevenbroicher Chirurg Dr. Morteza Fazelian (72) kaufte der Bahn einen ganzen Gebäudekomplex samt dem Stellwerk ab. "Ich wollte nicht, dass das alles abgerissen wird. Für die ersten Gebäude rollten schon Bagger an, ich bat um drei Tage Aufschub", erzählt er im Obergeschoss des Stellwerks. Dort stehen heute Tische und Stühle, hängen Bilder an den Wänden. Der gebürtige Iraner hat einen gemütlichen Ort geschaffen. "Hier werden Geburtstage gefeiert, laufen medizinische Vorträge, auch Ausstellungen hatten wir hier schon — alles privat", betont der 72-Jährige, der selbst die Räume saniert und hergerichtet hat. "Chirurgen sind Handwerker", sagt Heinz-Facelian lächelnd."

Keine Zukunft hat dagegen das 105 Jahre alte, noch aus der Zeit der Preußischen Staatseisenbahnen stammende Gebäude am Bahnübergang "Zur Wassermühle" am Bahnhof Gustorf, es soll verschwinden. Bis 2006 legte drinnen der Fahrdienstleiter mächtige Hebel um, um über lange Drahtseile die Signale zu stellen. Das zweite Stellwerk in Gustorf kann dagegen gekauft werden.

Das Bauwerk an der Talstraße in Kapellen wollten die "Kapellener Jonge" übernommen, um darin etwa ein Archiv unterzubringen. "Doch der Preis, den die Bahn verlangte, war inakzeptabel. Außerdem wussten wir nicht, wie viel Arbeit wir in das Gebäude, das langsam verfällt, stecken müssten", sagt Vorsitzender Paul Pesch. Die Bahn hat sich mittlerweile gegen Verkauf und für Abriss entschieden — "aus Sicherheitsgründen", so Kugelmann. Aus einem anderen Grund könnte das etwas modernere Stellwerk von 1950 an der Blumenstraße weichen: "Wir prüfen, ob es für den geplanten Bau der Bahnunterführung abgerissen werden muss", sagt Jürgen Kugelmann.

(NGZ)