Stefan Pelzer-Florack über Kunst im öffentlichen Raum in Grevenbroich

Öffentliche Kunst in Grevenbroich : Wie ein Open-Air-Museum in der Stadt

Kunstwerke im öffentlichen Raum prägen das Bild von Städten. Zu einigen haben die Bewohner einen starken Bezug, andere sind unbekannt. Kulturamtsleiter Stefan Pelzer-Florack erklärt, was hinter der Kunst in Grevenbroich steckt.

Sie zieht Blicke auf sich, verzaubert, provoziert, wird ignoriert, kritisiert oder geschätzt. Kunst im öffentlichen Raum ruft viele Reaktionen hervor. In Grevenbroich gibt es mehr als 70 dieser Kunstwerke. Wem gehört diese Kunst, wie kommt sie an ihren Platz und wer pflegt sie?

„Die meisten Kunstwerke gehören der Stadt“, erklärt Kulturamtsleiter Stefan Pelzer-Florack. Um sie kümmert sich die Stadt Grevenbroich selbst, um die Technik die Stadtbetriebe. Einige wenige Kunstwerke wie die „Kreisspirale“ sind Privateigentum und werden daher vom Besitzer gepflegt. „Kunst im öffentlichen Raum ist für jeden immer frei und kostenlos zugänglich“, sagt der Kulturamtsleiter. „Und bei einem Rundgang ist man an der frischen Luft. Das sind die großen Unterschiede zum Museum“.

 „Puls“ von Susanne Tunn am Haus Hartmann gehört zu den abstrakten Kunstwerken. Es wird oft nicht direkt als Kunst erkannt und wurde deshalb schon oft kritisiert. Foto: RP Anne Harnischmacher/Anne Harnischmacher

Wo ein neues Werk platziert oder wohin ein älteres verlegt wird, entscheidet der Kulturausschuss. „Dabei wird berücksichtigt, dass die Verkehrssicherungspflicht eingehalten wird, dass das Werk in die Umgebung passt – und es wird geprüft, ob es bereits andere Kunst in der Nähe gibt. Auch das Renommee des Künstlers spielt eine Rolle“, sagt Pelzer-Florack.

Meist sind es Statuen und Plastiken die zur öffentlichen Kunst gezählt werden. In Grevenbroich gehört aber auch der „Finlay-Park“ dazu, der mit neun Stationen vom schottischen Künstler Ian Hamilton-Finlay zur Landesgartenschau 1995 gestaltet wurde. Der Park wird von Kennern als Gesamtkunstwerk anerkannt, sagt Pelzer-Florack.

„Der Junge mit Rad“ ist aktuell das Lieblingswerk des Kulturamtleiters. Foto: Anne Harnischmacher

Manchen Kunstwerken haben die Grevenbroicher eigene Namen verliehen. So heißt die „Frau mit Tasche“ an der Breite Straße für die Bürger immer nur „Dicke Emma“. Die bekannten „Pappelmänner“ taufte Künstler Matthias Hintz eigentlich „Rheinisches Element“. „Solche Namensgebungen zeigen, dass diese Werke, die Menschen beschäftigen“, sagt der Kulturamtsleiter.

In neue Kunst hat die Stadt seit vielen Jahren nicht investiert. 2017 fand zuletzt nur die Verlegung des „Jungen mit Rad“ von Anatol Herzfeld, der erst kürzlich gestorben ist, statt. Die Statue wurde aus der Nähe des Schneckenhauses, wo sie kaum zu sehen war, durch ehrenamtliche  Unterstützung sichtbarer in die Nähe des Stadtparkes versetzt.

Werke von Anatol Herzfed seien in der Stadt sehr präsent. „Die meisten Werke sind aber von der Keramikkünstlerin Anneliese Langenbach, die ihre letzten Lebensjahre in Grevenbroich verbracht hat“, sagt Pelzer-Florack. Einige Werke, wie „Permanent Lightning“ oder der „Turmkater“ vor dem Sparkassen-Gebäude seien jedem bekannt. Andere, wie der „Torbogen“ vom renommierten Künstler Erwin Heerich sind unauffälliger und daher unbekannter, sagt Pelzer-Florack.

Da alle Kunstwerke unter freiem Himmel stehen sind sie Beschädigungen durch Witterung und Vandalismus ausgesetzt. Was wann und wie repariert wird, hängt vom Einzelfall ab. „Beschädigungen, die gefährlich sein könnten, werden sofort instand gesetzt“, sagt Pelzer-Florack. Kleine Schäden oder Graffiti-Beschmierungen werden, wenn sie das Kunstwerk nicht zu stark stören, nicht sofort entfernt. „Es ist natürlich eine Kostenfrage“, sagt er. Versicherungen würden wegen der Häufigkeit von Beschädigungen die Kosten heutzutage nicht mehr übernehmen. „Aber Graffitis können auch Kunst sein, Street-Art. Sie erzählen etwas über die Zeit, in der wir leben“, sagt Pelzer-Florack.

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