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Grevenbroich: Städte streiten um Landstraße

Grevenbroich : Städte streiten um Landstraße

Die Fronten sind verhärtet: Während die Stadt Grevenbroich den Bau der Landstraße 48n fordert, würde Bedburg gerne darauf verzichten und das Geld anderweitig investieren. Die L 48 war einst dem Tagebau gewichen.

Die Landstraße 48n (L 48n) wird zum Streitpunkt zwischen Grevenbroich und der Nachbarstadt Bedburg. Da die früher zwischen Kirchherten und der Schlossstadt verlaufene Landstraße 48 (L 48) dem Tagebau zum Opfer gefallen ist, müsste RWE Power den entsprechenden Neubau zahlen. In Bedburg jedoch würde man gerne darauf verzichten und sich vom Energieunternehmen lieber finanziell für die weggefallene Straße entschädigen lassen — und dieses Geld in marode Straßen im Bedburger Stadtgebiet investieren. Politik und Verwaltung der Nachbarkommune sind da einer Meinung. Das bestätigt Alexander Koehl, Pressesprecher im Bedburger Rathaus. "Die bei uns gefällten Entschlüsse gehen klar in diese Richtung."

Im Bedburger Rathaus wartet man nun auf eine ähnliche Verzichterklärung aus Grevenbroich — und kann darauf vermutlich sehr lange warten. Die Botschaft von Werner Hoffmann, technischer Beigeordneter in der Schlossstadt, jedenfalls ist eindeutig. "Von uns wird es eine solche Verzichterklärung nicht geben", sagt er. "Wir haben durch den Tagebau unsere Westanbindung größtenteils verloren. Auf die L 48n werden wir nicht auch noch verzichten."

Bei Fred Schlangen dürften diese Worte gut ankommen. Der Vorsitzende des Werberings Grevenbroich hatte in der Vergangenheit verstärkt auf die Bedeutung der L 48n hingewiesen. Die Händler rühren daher die Werbetrommel für den Bau der Straße. Für den Einzelhandel in der Schlossstadt sei die L 48n wichtig.

Im Bedburger Rathaus kommt man zu einer anderen Bewertung. Erst kürzlich hatte Bedburgs Bürgermeister Gunnar Koerdt im "Kölner Stadtanzeiger" betont, dass Politik und Verwaltung der Nachbarkommune die L 48n als überflüssig betrachten. "Wir brauchen sie nicht, die Verbindungen nach Grevenbroich sind heute schon sehr gut", hatte Koerdt erklärt.

Die Fronten sind verhärtet: Die Stadt Grevenbroich denkt nicht an eine Verzichterklärung, wie man sie in Bedburg gerne hätte. Und aus dem Bedburger Rathaus ist zu vernehmen, dass man dem Bau der L 48n nicht zustimmen werde. Allerdings würden sich damit beide Kommunen ins eigene Fleisch schneiden: Der Neubau der L 48n droht dann genauso zu scheitern wie die in Bedburg angestrebte Straßensanierung.

Zwischen beiden Kommunen herrscht folglich eine Menge Gesprächsbedarf. Ebenfalls beteiligt: der Landesbetrieb Straßenbau. Denn Bedburg würde mit der angedachten Entschädigung für den Verzicht auf die L 48n gerne die Landstraße 279 sanieren. Diese fällt in den Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebs Straßenbau. Eine entsprechende Stellungnahme war dort gestern auf NGZ-Nachfrage nicht erhältlich.

(NGZ)