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Grevenbroich: Stadtgeschichte auf 52 DVDs

Grevenbroich : Stadtgeschichte auf 52 DVDs

Mit 52 DVDs ist gestern der Grundstein für ein Grevenbroicher Filmarchiv gelegt worden. Auf den silbernen Scheiben befinden sich 23 Stunden Filmmaterial, das vor Jahrzehnten in der Stadt gedreht wurde. Peter Schmidt hat die alten "Schätzchen" digital aufbereitet.

Bei Umsiedlern, die wegen des Braunkohletagebaus ihre Dörfer verlassen mussten, kommt bei diesem Anblick sicher Wehmut auf. Kurz bevor der Bagger kam und Elfgen und Belmen vom Erdboden verschwanden, hat ein Hobbyfilmer die beiden sterbenden Orte auf Zelluloid gebannt. "Ein Zeitdokument", sagt Stadtarchivar Wolfgang Brandt. Und es ist nicht das einzige, das er nun im Depot auf der Stadtparkinsel hütet.

Seit gestern ist die Stadt im Besitz von 52 DVDs mit einer Gesamtlaufzeit von 1360 Minuten. Die auf den Silberstreifen gespeicherten Filme stammen größtenteils von Grevenbroichern, die vor zwei Jahren einem Aufruf des Archivs gefolgt waren. Damals wurde Material für das DVD-Projekt "Grevenbroich in alten Filmen" gesucht — und die Resonanz war groß. Peter Schmidt von der Produktionsfirma "PS Media" in Jüchen konnte lediglich einen Bruchteil der eingesandten Schmalfilme verwenden. Die nicht auf DVD gepressten Streifen hat er digital bearbeitet und nun dem Archiv zur Verfügung gestellt.

"Das ist eine wahre Fundgrube", urteilt Wolfgang Brandt. Zu den wertvollsten Aufnahmen zählt er die im März 1945 gedrehten Filme von der Befreiung von Zwangsarbeitern im Erftwerk durch die 9. US-Army: "Die Aufnahmen wurden damals von einem GI aus einem Jeep heraus gemacht. Die Fahrt geht vorbei an großen Flugzeugwracks, die hier zur Rohstoff-Wiederverwertung zerlegt wurden", erklärt der Archivar. Auch der Einmarsch der Amerikaner in Neuenhausen wurden dokumentiert, die Aufnahmen stammen aus dem US-Nationalarchiv in Washington. Für Wolfgang Brandt ebenso interessant: Viele Filme zeigen den Wiederaufbau Grevenbroichs nach dem Zweiten Weltkrieg und schildern damit eindrucksvoll den Werdegang zur heutigen Stadt. Die Entstehung der Erftwerksiedlung ist ebenso dokumentiert, wie die Errichtung der Christuskirche, der Abriss des Eulenturms an der Erft oder der Bau des Montanushofs zu Beginn der 80er Jahre. Letztendlich spiegelt sich auch die Landesgartenschau (1995) auf den DVDs wider — etwa mit dem Sky-Shuttle, der damals in luftiger Höhe einen spektakulären Blick über Grevenbroich bot.

Die 52 DVDs bewertet Wolfgang Brandt als einen Grundstein für ein Grevenbroicher Filmarchiv. "Wir hoffen, dass wir künftig weiteres Material bekommen werden — ich kann mir vorstellen, dass da einiges noch auf Dachböden lagert", meint er. Gibt es ausreichend neues Material, könnte es einen zweiten Teil von "Grevenbroich in alten Filmen" geben, überlegt Peter Schmidt. Die erste Folge war erfolgreich: Sie wurde inzwischen mehr als 2000 Mal verkauft.

(NGZ)