Grevenbroich: Stadt zeigt Crossfahrer an

Grevenbroich : Stadt zeigt Crossfahrer an

Die Stadt hat Motocross-Fahrer angezeigt, die illegal über die Königshovener Höhe brettern. Nach Angaben des Umweltamtes haben sie nicht nur Flurschaden angerichtet, sondern auch die Brut seltener Vögel zerstört.

Mehrere Minuten lang liefert die an einem Helm montierte Kamera eindrucksvolle Bilder von einer wilden Motocross-Fahrt auf der Königshovener Höhe. Dann macht es "Wusch" — der Apparat wird von einem Ast weggefegt und liegt am Boden. Die letzten Bilder, die er zeigt, sind die seines Besitzers: Er hat den Verlust nicht bemerkt und braust munter weiter.

Die Kamera haben Spaziergänger gefunden, der Film ist nun im Besitz von Norbert Wolf. Für den städtischen Umweltschutzbeauftragten ist der Streifen so etwas wie Beweismaterial, denn er macht bereits seit geraumer Zeit "Jagd" auf illegale Motocross-Fahrer, die mit ihren Maschinen regelmäßig im Rekultivierungsgebiet unterwegs sind. Was Wolf ärgert: "Sie richten einen immensen Naturschaden an."

Die Königshovener Höhe ist zwar eine künstlich geschaffene Landschaft — doch: "Sie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wertvollen Lebensraum für Vögel entwickelt, die auf der Roten Liste stehen", erklärt Wolf. Die auf dem Boden gebauten Nester des seltenen Bienenfressers seien ebenso von den Motorrad- und Quad-Reifen zerstört worden wie die Brut eines Uhupaares. Sorgen macht sich Wolf auch um den Steinschmätzer, eines von weniger als zehn Brutpaaren in ganz NRW lebt auf der Halde.

"Die Crossfahrer kommen aus der gesamten Region hierhin. Sie fahren tiefe Furchen in die Hänge und hinterlassen einen immensen Geländeschaden", erklärt der Umweltschutzbeauftragte. In den meisten Fällen sei es schwierig, die Kennzeichen der Maschinen zu ermitteln: "Sie werden vorher abmontiert, umgebogen oder absichtlich mit Matsch beschmiert."

Einige Nummernschilder sind jedoch bekannt, gegen die Besitzer der Maschinen hat die Stadt nun Strafanzeige gestellt — ebenso wie die Firma RWE Power, die das illegale Fahren auf der Königshovener Höhe als Hausfriedensbruch wertet. "Die Kollegen sind am Ball", signalisiert Polizeisprecher Hans-Willi Arnold. Die Ermittlungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen.

Günter Becker, Sprecher des Motorsportclubs Grevenbroich, der auf der Königshovener Höhe ein eigenes Gelände hat, distanziert sich von den illegalen Fahrern. Zumal der MSC selbst Probleme mit ihnen hat: Immer wieder dringen Unbekannte unbefugt auf das Gelände ein — obwohl das gegen eine Gebühr auch von Nichtmitgliedern genutzt werden kann.

Diese Tatsache ärgert Norbert Wolf: "Stattdessen rasen die Fahrer durch das Gelände, gefährden Spaziergänger und seltene Tiere." Er hofft nun, dass die Ermittlungen der Polizei Erfolg haben: "Verstöße gegen das Naturschutzgesetz sind kein Kavaliersdelikt — und sie werden dementsprechend geahndet."

(NGZ/rl)
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