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Grevenbroich: Stadt zahlt für säumige Väter

Grevenbroich : Stadt zahlt für säumige Väter

In Grevenbroich wurden im vergangenen Jahr 770 000 Euro für Kinder alleinerziehender Mütter ausgegeben. Die Väter wollen oder können ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen.

Für Mütter ist diese Situation besonders schwer: Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht, er kann oder will den Unterhalt für das gemeinsame Kind nicht zahlen. Dies kommt in der Stadt Grevenbroich jedes Jahr rund 400 Mal vor. "In diesen Fällen wird ein Unterhaltsvorschuss zur Erziehung gezahlt", erläutert die Leiterin des Fachbereiches Soziale Sicherung und Integration, Heike Steinhäuser. Im vergangenen Jahr betrugen die Zuschüsse insgesamt 770 000 Euro.

Es gilt folgende Faustformel: Ein Drittel der Väter verdient so wenig Geld, dass der Unterhalt nicht gezahlt werden kann, ein Drittel zahlt den Unterhalt – und ein Drittel könnte den Unterhalt bezahlen, macht es aber nicht.

Der letzte Fall ist den Kommunen natürlich ein Dorn im Auge. Klar, dass diese versuchen, sich das Geld komplett oder zumindest teilweise wieder zurück zu holen. Mit nicht geringem Erfolg, wie Heike Steinhäuser berichtet: "Im Jahr können wir rund 130 000 Euro zurückbekommen."

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Vater wieder eine Arbeit bekommen hat. Oder wenn die Mutter erneut geheiratet hat. Denn der Unterhaltsvorschuss ist nur für Alleinerziehende gedacht. Dass Väter als Alleinerziehende Ansprüche geltend machen, kommt ebenfalls vor – "Dies ist aber sehr selten und die Ausnahme", wie Heike Steinhäuser deutlich macht. Nicht selten ist es nötig, das Geld über ein Gerichtsverfahren einzutreiben. Zum Beispiel wird der Rechtsweg auch dann beschritten, wenn die Väter sich weigern, Angaben über ihre Einkünfte zu machen.

Manchmal kommt es auch vor, dass Mütter zu Unrecht den Unterhaltsvorschuss bezogen haben. "Kommt das heraus, dann müssen sie den erhaltenen Betrag wieder zurückerstatten", sagt Steinhäuser. Zuweilen erhält das Amt Hinweise vom ehemaligen Lebenspartner.

Die Zahl der Mütter, die diese Unterstützung erhält, ist seit dem vergangenen Jahr gesunken: Waren es 2010 noch 420 Menschen, so sind es in diesem Jahr nur noch 400 – also rund fünf Prozent weniger. Die Folgerung, dass die Väter zuverlässigere Zahler geworden wären, ist jedoch falsch. Es sind laut Heike Steinhäuser demografische Gründe, die diese Zahl haben sinken lassen. Denn es gibt einfach nicht mehr so viele Kinder wie 2010.

Die 770 000 Euro müssen übrigens nicht von der Stadt Grevenbroich allein gestemmt werden. Sie werden nach einem festgesetzten Schlüssel aufgeteilt: 50 Prozent übernimmt die Kommune, 30 Prozent das Land Nordrhein-Westfalen und die restlichen 20 Prozent der Bund.

(NGZ)