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Grevenbroich: Stadt will bald Theater im Museum machen

Grevenbroich : Stadt will bald Theater im Museum machen

Die "Bühnenabende" sind tot – doch es gibt eine Alternative. Die Stadt wagt mit dem Rheinischen Landestheater ein Kultur-Experiment.

Die "Bühnenabende" sind tot — doch es gibt eine Alternative. Die Stadt wagt mit dem Rheinischen Landestheater ein Kultur-Experiment.

"Theater im und ums Museum" ist der Arbeitstitel eines neuen Angebots. In der Villa Erckens sollen kleinere Stücke aufgeführt werden, im Stadtpark könnte die Mobile Bühne (Foto unten) des RLT eingesetzt werden. Foto: RLT/Reuter (Archiv)

Die Theater-Reihe "Bühnenabende" wird eingestellt. Das hat jetzt der Kulturausschuss beschlossen. Die Stadt spart damit zwar 12 000 Euro im Jahr — doch das war nicht der alleinige Grund für den letzten Vorhang der Serie. "Die Abozahlen sind binnen zehn Jahren um etwa die Hälfte zurückgegangen", begründete Kulturdezernent Michael Heesch: "Der Reihe mangelt es eindeutig an Akzeptanz."

Darüber hinaus hätten die verbliebenen Abonnenten zunehmend den Veranstaltungsort kritisiert. So gebe es im Umfeld des Erasmus-Gymnasiums kaum Parkplätze, in der Aula fehle ein Catering und überhaupt mangele es dort an Atmosphäre. "Viele Besucher haben gesagt, dass sie dann doch lieber direkt nach Neuss fahren würden", betonte Heesch vor den Politikern.

Von der Verwaltung war zunächst angeregt worden, nicht nur die "Bühnenabende" einzustellen, sondern auch die Mitgliedschaft im Förderverein des Rheinischen Landestheaters (RLT) zu kündigen — womit sich die Stadt jährlich weitere 6350 Euro sparen könnte. Darauf aber wollte sich der Fachausschuss nicht einlassen. Der Grund: Man möchte dem Theater nicht schaden und vermeiden, dass andere Städte im Rhein-Kreis Neuss dem Beispiel folgen könnten und ihre Mitgliedschaft ebenfalls kündigen.

Dieser Beschluss könnte der Stadt neue kulturelle Möglichkeiten eröffnen. Die hatte Heesch bereits zwei Tage vor der Sitzung mit der RLT-Intendantin Bettina Jahnke, dem Verwaltungsdirektor Dirk Gondesen und dem Vizevorsitzenden des Fördervereins, Kreiskulturdezernent Tillmann Lonnes, erörtert. Das Ergebnis: Alternativ zu den "Bühnenabenden" Es soll eine "Speziallösung" geben, die zwar nicht mehr das klassische Schauspiel im großen Rahmen bietet, dafür aber kleinere Veranstaltungen in und rund um das "Museum der niederrheinischen Seele".

Zwar gibt es dafür noch kein fertiges Konzept — aber: "Ich könnte mir vorstellen, dass wir künftig im großen Saal der Villa Erckens kleinere Theaterstücke und Lesungen von Mitgliedern des Ensembles anbieten werden. Auch die Mobile Bühne des RLT kann im Stadtpark eingesetzt werden", berichtet Heesch. Damit könne das Museum ein weiteres kulturelles Nischenprodukt anbieten, das möglicherweise ebenfalls so erfolgreich werden könnte wie die Weltmusik- und Gitarrenwochen-Reihen, die längst ein überregionales Publikum anziehen.

Wann das "Theater im und ums Museum" — so der Arbeitstitel — realisiert wird, ist noch unklar. "Zunächst muss geprüft werden, was technisch im In- und Outdoor-Bereich machbar ist. Danach wollen wir experimentieren und ausprobieren, was beim Publikum ankommt", sagt der Kulturdezernent. Selbstverständlich müsse auch über den Preis gesprochen werden, er müsse unterhalb der Kosten für die "Bühnenabende" liegen. Heesch geht davon aus, dass die Finanzaufsicht ihm keinen Strich durch die Rechnung machen wird — denn: "Der Kreiskulturdezernent betrachtet unser Projekt mit Wohlwollen."

(NGZ/rl)