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Grevenbroich: Stadt soll beim Archiv sparen

Grevenbroich : Stadt soll beim Archiv sparen

Der Landrat will es – und die Grünen fordern es auch: Die Stadt soll ihr Archiv an den Rhein-Kreis abgeben. Darüber werden jetzt die Politiker diskutieren. Im Vorfeld erteilt Kulturdezernent Michael Heesch diesen Pläne eine Absage.

Der Landrat will es — und die Grünen fordern es auch: Die Stadt soll ihr Archiv an den Rhein-Kreis abgeben. Darüber werden jetzt die Politiker diskutieren. Im Vorfeld erteilt Kulturdezernent Michael Heesch diesen Pläne eine Absage.

Das Archiv ist so etwas wie das Gedächtnis der Stadt. Im alten Büchereigebäude an der Erft hütet das Team um Wolfgang Brandt zum Teil Jahrhunderte alte Dokumente aus der Grevenbroicher Geschichte. Doch wie lange noch? Wenn es nach den Grünen geht, soll diese Arbeit künftig vom Rhein-Kreis übernommen werden. Dem Kulturausschuss liegt ein Antrag der Öko-Partei vor — Tenor: Da die Stadt bei einem Haushaltsdefizit von über 50 Millionen Euro sparen muss, soll sie das Archiv an die übergeordnete Behörde abgeben.

Das wichtigste Argument von Dirk Gawlinski: "Das Zusammenlegen von Archiven führt nicht nur zu Synergieeffekten bei Personal und Gebäuden, sondern kann auch Vorteile bei der historischen Forschungsarbeit bieten." Damit liegt der Fraktionsvorsitzende der Grünen übrigens auf gleicher Wellenlänge mit Hans-Jürgen Petrauschke. Denn der Landrat und Chef der Kreisverwaltung hat bereits sein Interesse an der Übernahme von Archiven bekundet. Mit Ausnahme von Neuss hätten die sieben Kommunen im Rhein-Kreis in der Summe so viele Archiv-Mitarbeiter, wie sie unterm Strich nicht gebraucht würden, argumentiert er. "Auch in diesem Bereich geht es um die Frage, wie man das auf Dauer wirtschaftlicher hinbekommt", sagt Hans-Jürgen Petrauschke.

Das Stadtarchiv bald hinter den Mauern des Kreisarchivs in Zons? Im Grevenbroicher Rathaus regt sich Widerstand gegen solche Pläne. Denn Kulturdezernent Michael Heesch sieht kaum Einsparmöglichkeiten: "Auch im Fall einer Zusammenlegung wäre die Kommune verpflichtet, die anteiligen Unterbringungs- und Personalkosten zu tragen", meint er.

Außerdem spreche die 2005 entwickelte Neukonzeption der Kulturarbeit gegen eine Übertragung an den Kreis. Die Mitarbeiter des Archivs seien seitdem eng mit allen kulturellen Einrichtungen der Stadt vernetzt, vor allem mit dem neuen Museum der niederrheinischen Seele. "Zahlreiche Projekte mit Schulen, Verbänden oder der Wirtschaft stehen eindrucksvoll für die Umsetzung dieses Konzept", so Heesch. Für den Ersten Beigeordneten steht daher fest: "Aus Sicht der Verwaltung ist eine Übertragung des Stadtarchivs an den Rhein-Kreis nicht vertretbar."

Auch Geschichtsfreunde winken ab: Heimatforscher Manfred Ganschinietz, der mehrere Bücher über Grevenbroich geschrieben hat, warnt: "Bei einer Verlagerung nach Zons wäre zu befürchten, dass die Motivation für Archivforschung nachlässt." Das letzte Wort haben die Kulturpolitiker: Sie treffen sich am nächsten Dienstag um 18 Uhr in der Villa Erckens.

(NGZ/url)