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Grevenbroich: Stadt soll am Putzdienst sparen

Grevenbroich : Stadt soll am Putzdienst sparen

Etwa 110 Kräfte sorgen dafür, dass die städtischen Gebäude sauber bleiben. Wirtschaftsprüfer raten der Stadt nun dazu, diese Arbeit aus Spargründen in private Hände zu legen. Verlieren die Raumpflegerinnen ihre Jobs?

Die Reinigung von Schulen, Tagesstätten, Sporthallen und Büros kostet die Stadt Grevenbroich jährlich mehr als zwei Millionen Euro. Das ist zu viel, meinen die Wirtschaftsberater von Rödl & Partner. Sie empfehlen der Verwaltung, auf die ("kostenintensive") eigene Putzkolonne zu verzichten. Stattdessen soll diese Arbeit von privaten Unternehmen übernommen werden – die seien günstiger. Der erwartete Einspareffekt: rund 600 000 Euro. Würde zusätzlich auch der gewohnte Standard der Reinigung gesenkt, ließe sich darüber hinaus noch einmal in etwa die gleiche Summe einsparen.

Dieser Vorschlag sorgt für Diskussionen im Rathaus. Vor allem in den Büros der Arbeitnehmervertretung: "Wir werden uns mit Händen und Füßen gegen eine weitere Privatisierung wehren", kündigt die Personalratsvorsitzende Anneliese vom Scheidt an. Schließlich sei schon vor Jahren ein Teil der Reinigung in die Obhut von Unternehmen gelegt worden: 29 500 Quadratmeter Stadteigentum werden seither von Firmen auf Vordermann gebracht, um weitere 99 000 Quadratmeter kümmert sich die eigene Putzkolonne. Und das soll so bleiben, meint vom Scheidt: "Es kann nicht immer nur diejenigen treffen, die ohnehin nur über ein geringes Einkommen verfügen."

Kurzfristig lässt sich der Vorschlag von Rödl & Partner übrigens nicht umsetzen. Denn 2007 hat der Personalrat mit dem damaligen Bürgermeister Axel Prümm eine Dienstvereinbarung abgeschlossen. Darin wurde festgelegt, dass mindestens 50 Prozent der städtischen Gebäude von eigenen Mitarbeitern sauber gehalten werden; zudem werden betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund empfehlen die Wirtschaftsberater, diese Vereinbarung auf eine Quote von unter 50 Prozent zu senken und frei werdende Stellen künftig nicht mehr zu besetzen. Die übrig bleibenden Mitarbeiter sollen in einem Personalpool zusammengefasst werden, der nach und nach für immer weniger Gebäude zuständig sein soll.

Gegen eine Änderung der Dienstvereinbarung spricht sich nicht nur Anneliese vom Scheidt aus. Auch Bürgermeisterin Ursula Kwasny kann sich nicht mit dem Vorschlag anfreunden: "Ich sehe das kritisch. Schließlich sind davon Menschen auf der untersten Lohnebene betroffen – daran möchte ich eigentlich nicht rütteln." Kwasny schlägt alternativ eine Überprüfung der Fremdreinigungskosten vor: "Vielleicht kann da gespart werden."

Auch die SPD will nicht mitziehen: "Vorschläge, die vor allem das ,kleine' Personal betreffen, wird es mit uns nicht geben", erklärt Fraktionsvorsitzender Horst Gerbrand. CDU-Fraktionschef Norbert Gand meint: "Erst müssen einmal belastbare Zahlen vorliegen, bevor wir darüber urteilen können, ob Private wirklich preiswerter sind."

(NGZ)